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Thursday, 29. April 2004
Interview mit Clemens Theobert Schedler | Büro für konkrete Gestaltung für Design Austria 75 Jahre

<b><a href="http://telfser.com/stories/2990/">© Clemens Theobert Schedler</a></b> | Büro für konkrete Gestaltung 2005 — Es ist immer alles authentisch. Aussehen ist wesentlich, es macht das Wesen sichtbar. Wie es aussieht ist jedoch nicht wesentlich, sondern wie es wirkt. — Geboren 1962 in München, aufgewachsen in Vorarlberg, dem Wilden Westen Österreichs. Lebt seit 1982 in Wien: Ausbildung als Gebrauchsgrafiker. Freier Mitarbeiter bei Walter Bohatsch und den Werbeagenturen Demner & Merlicek und DDB Needham Heye & Partner, dazwischen Schlagzeuger bei der Band »in time«. 1990 Gründung des eigenen Büros für graphischen Entwurf in Wien. 1992 bis 1994 Lehrauftrag »Experimentelle und computer-unterstützte Typographie« an der Hochschule für angewandte Kunst, Wien. 1993 Gründung der Bohatsch und Schedler GmbH, Büro für graphische Gestaltung, geschäftsführender Gesellschafter bis 1996. 1997 Gründung des Büros für konkrete Gestaltung – Begleitung, Konzeption, Realisierung. 2002 und 2003. Lehrauftrag »Entwurfsgrundlagen – Umgang mit Text und Bild« am Institut für Architektur und Industrial Design, Linz. Zweieinhalb Jahrzehnte Schärfung der Wahrnehmungsfähigkeiten durch gründliches Scheitern in einigen Lebensbereichen. Glücklicher Vater von drei Töchtern.

© Dieter Telfser 2005 CS: In welcher Beziehung stehen Sie zu Ihrem Beruf?

DT: © Dieter Telfser 2005 Beruf ist die Umwandlung von Fähigkeiten in die reale brauchbare Welt. Die Bedingungen für brauchbare Resultate zu schaffen, ist die zwischenmenschliche Basis für herausragende und gute Arbeit. Meine Beziehung zu meinem Beruf ist, dem kommerziellen Missbrauch meine Kultur entgegenzusetzen. Die psychologischen Fakes und Geschmackssynthesen der letzten 30 Jahre ad absurdum zu führen und die humane nachvollziehbare Komponente in die Arbeit miteinfließen zu lassen. Es ist die bewusste Verwirrung und Irritation, um der Sachlage der kommunikativen Komponente gerecht zu werden. Die Show drumherum so aufzupeppen oder so zu verdreschen, dass sie schlicht und ergreifend zum Nachdenken oder -fühlen zwingt. Effekte zu benutzen, damit verstanden wird und nicht damit verkauft wird. Dringlichkeit empfinde ich beim Angehen des typisch importierten amerikanischen Marketinggutes aus den 60/70ern und Feng Shui-Komponenten, die daraus wiedergewonnen werden. Der einzig gültige Bezug, den es zu einem Beruf geben kann, ist, die Ernsthaftigkeit der Einzelteile zu wahren und sie notfalls herauszuarbeiten.

© Dieter Telfser 2005 CS: Was wollen Sie konkret in Ihrem Berufsleben erreichen?

DT: © Dieter Telfser 2005 Die Weiterentwicklung der humanen Denke in visuellen Formen sichtbar und nachvollziehbar zu machen. Die Fragestellung nach einem Ziel lehne ich allerdings ab, denn es kann das hartnäckigste Verfolgen eines Ziels bestenfalls nur zu Microsoft-Excel-Statistiken führen und nicht zu wirklich bewegenden Metamorphosen des eigenen Lebens. Ein Ziel ist so hinderlich wie seine Vorgabe, es zu erreichen. Das Gerüst hierfür ist im alltäglichen Leben zu bauen und nicht in einer Mission-Critical-Application, wie es zu erreichen ist. Angekommen zu sein heißt doch letztendlich nie wirklich aufgebrochen zu sein. Das positive Konzept dahinter führt nicht zum Glück, sondern zum operativen Durchhänger in der eigenen Strategie. Die Reduktion auf einen Punkt halte ich in der Küche für sinnvoll, nicht aber im Berufsleben, denn das Berufsleben widerspiegelt das eigene menschliche Facettenreich der Gesellschaft gegenüber. Die Entspiegelung der soziodemokratischen und politischen Aussagen in der Gestaltung halte ich für wichtig.

Der wirtschaftlichen Hitze und rassistischen Federführung zu trotzen und sie zu verblumen, ist kein Ziel, sondern gehört zum beruflichen Ethos. — Ich will, also bin ich. Ich kann, also darf ich. Ich tue, also brauche ich nicht mehr zu wollen!

© Dieter Telfser 2005 CS: Was bedeuten für Sie kollegiale Solidarität und Kooperation?

DT: © Dieter Telfser 2005 Dienstleistung in seiner höchsten Form. Der Dienst am Kollegen bedeutet ihr|ihm zu dienen, ohne dies mit Service und PR-Tätigkeiten zu verwechseln, die der Eigeninszenierung dienen. Das fängt bei der Weiterbildung an und könnte im persönlichen Begleiten enden. Das Konzept der Solidarität verfolgt momentan die Strategie der banalen politischen Holding mit Servicecharakter. Die Institution, die daraus gewonnen wird, führt automatisch zur Ablehnung, denn Holdings versuchen immer nur synthetisch zu diversifizieren. Meistens geschieht dies, weil sie auf eigenen Beinen nicht gerade genug stehen können. Solidarität wäre also die Verbrüderung laut Marx und hat immer politischen Hintergrund. Das macht natürlich unnahbar und eigentlich überflüssig fürs Individuum, denn die daraus destillierbare Macht liegt in den Händen von Aufsichtsräten. ›Kollegial‹ würde eine kommerzielle Verschiebung der Themen bedeuten und so viel Mut zu lehren bzw. sichtbar vorzuleben, erwarte ich mir im Austausch mit den Kollegen.

Der Austausch bleibt als einzige legitimierbare Plattformstruktur und zwar ohne großartige Netzwerkstruktur. Ich würde mir wünschen, dass Kollegen zu wirklichen Kollegen werden und sich nicht hinter ihren Lebensläufen verstecken.
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© Clemens Theobert Schedler | Büro für konkrete Gestaltung 2004

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