Reteid Resflet*20 Open Sources 7.3
Tuesday, 28. March 2006
Profanitäten als Vorgartendünger! — Das Gegenstück zu Laissez Mentir der daherschwätzenden Klassen. Inspiriert von Harry Gordon Frankfurt’s »On Bullshit«, getragen von Rezensionisten, in den wissenschaftlichen Stand enthoben und wieder ausgeschieden. — Über den Britischen Kreislauf von Eremitäten, wenn sie aus dem Volk mitfluchen. — Freeforms as Necessity, as everyone has to know it?

© Dieter Telfser 2006 — What is Bullshit? — Profanitäten als Vorgartendünger! — Das Gegenstück zum Laissez Mentir der daherschwätzenden Klassen. Inspiriert von Harry Gordon Frankfurt’s »On Bullshit«, getragen von Rezensionisten, in den wissenschaftlichen Stand enthoben und wieder ausgeschieden. — Über den Britischen Kreislauf von Eremitäten, wenn sie aus dem Volk mitfluchen. — Freeforms as Necessity, as everyone has to know it?
Sensationelle Verkaufszahlen in einem Meer von Rezensionen begleiten den charismatischen Professor der Philosophie an der Princeton Universität. Sein 1986 erstverfasstes Papier »On Bullshit« fand 2005 zur englischen Buchausgabe. Er bringt eine Diskussion ins Rollen, die Wahrheit von Lüge in einer unwissentlich geschärften Volksdummheit zeigen soll, dass es jede Menge an Bullshit in unserer Gesellschaft gibt. Es ist nicht der erhobene Zeigefinger des Herrn, als vielmehr die sich autonom fortbewegende Leserzahl, die an dem Experiment teilnimmt und weiterhin Mist produziert, aber zumindest ehrlich darüber redet.Das Buch ist beinahe eine Einladung, ohne Maulkorb daherzuplappern, ohne dem absoluten Wahrheitszwang, der zum perfekten Konstrukt Lüge wird, gerecht werden zu müssen.

Die Disziplin lautet also »Laissez Mentir« und dient der Verwertbarkeit der Lügen als philosophisches Modell. So dürfen Schnellschüsse ruhig heiß gekocht werden, wenn sie dazu ein Bewusstsein mitbringen, welches tatsächlich volkstauglich ist. Die ganz konkrete Wahr- und Weisheit, nämlich die des manipulativen Aspekts des Lüge selbst, sieht Herr Frankfurt gelassen, zumal er gar nicht mehr darauf eingeht, ertrinkend im Meer der sich selbst »bebullshittenden« Gesellschaft. Er merkt es an, sitzt ruhig und gelassen da und gibt Interviews darüber, ständig stichelnd, dass Denken möglicherweise hilft, aber die Realität selbst wohl wenig dazu beimengt.

Die, wie von einem Texteditor ausgedruckt wirkende, aber in Leinen gebundene Deutsche Fassung hebt den Kult-Charakter über den Ozean und hat lebensverändernden Anspruch an ein Phänomen, das seine neue Ernsthaftigkeit promoten soll. Nicht nur das Schriftstück selbst, sondern auch sein Hintergrund verleiten zu einem Britischen Vorgartenmodell, bedenkt man seine früheren Werke, die über die Cambridge Unversität [»The Importance of What We Care about« 1988 und »Necessity, Volition, and Love« 1999] ins öffentliche Licht fanden. Seine Zeit an der Oxford [1971-72] und Yale Unversität [1978-87] haben sicher maßgeblich dazu beigetragen seine Autorität und den typischen Vergleich des UK-Klassenmodells genauer unter die Lupe zu nehmen. So wirkt es für mich als Leser auch, wie einer Vaterfigur beim Tee zuzuhören.

Was mir an dem Stück gefällt, ist sein Düngeeffekt [auf den ich noch sehr gespannt warte] und Harry Gordon Frankfurt’s Voraussicht, zumal das erste Script ja bereits 1986 erschien. Die unglaublich breite Massenakzeptanz und fast Verbrüderung mit den Inhalten klingt heute so, als hätte man nur darauf gewartet endlich einen wissenschaftlichen Nährboden hierfür nutzen zu können: die Princeton Universität, vielmehr, das 1746 gegründete »College of New Jersey«, stellt heute mit einem Kapitalstock von über zehn Milliarden US-Dollar die fünft-älteste Universität in den USA. Trotz einer relativ liberalen Zulassungspolitik, welche auch Kindern aus unteren Einkommensschichten ein Studium an der renommierten Universität ermöglicht, wird ein großer Teil der Studentenschaft von Kindern aus wohlhabenden Familien dort gebildet.Wenn man so will, vermittelt »On Bullshit« zwischen den Klassen.

Neben den vielen sich bereits manifestierenden Interpretationen des Begriffs »Bullshit«, wie beispielsweise Bullshit-Generatoren [das sind scherzhaft gemeinte Listen aus Phrasen und Fachwörtern der unterschiedlichsten Disziplinen, aus denen der Leser mithilfe von Schablonen oder Computerprogrammen zufällige und sinnlose Sätze erzeugen kann. Damit soll die leere Rhetorik auch ernstgemeinter Texte aus dem jeweiligen Fachgebiet persifliert werden], oder Bullshit-Bingo [ein an Bingo angelehntes Spiel für gelangweilte Meeting- und Konferenzteilnehmer. Die Spieler erhalten eine Tabelle aus fünf mal fünf aktuellen Buzzwords. Fällt eins dieser Worte im Meeting, wird der Begriff angekreuzt. Wer als erstes eine Fünferreihe gefüllt hat, erhebt sich und ruft laut »Bingo!« oder wahlweise »Bullshit!« in den Raum ], oder den Bullshit-Deflector [Hörschutz zum selber Basteln als Schablone zum Ausschneiden mit Anleitung] — bleibt mir nur mein visueller Zugang, den ich wie folgt zupixeln würde:
© Dieter Telfser 2006 — Neben den vielen sich bereits manifestierenden Interpretationen des Begriffs »Bullshit«, wie z.B. Bullshit-Generatoren, Bullshit-Bingo oder  Bullshit-Deflectors bleibt mir nur mein visueller Zugang zum Thema. — Profanitäten als Vorgartendünger! — Das Gegenstück zum Laissez Mentir der daherschwätzenden Klassen. Inspiriert von Harry Gordon Frankfurt’s »On Bullshit«, getragen von Rezensionisten, in den wissenschaftlichen Stand enthoben und wieder ausgeschieden. — Über den Britischen Kreislauf von Eremitäten, wenn sie aus dem Volk mitfluchen. — Freeforms as Necessity, as everyone has to know it?
»Worum es hier geht, ist klar. — In früheren Zeiten ließen Handwerker sich nicht auf Pfusch ein. Sie arbeiteten sorgfältig und achteten auf jedes Detail ihrer Arbeit. Jeder Teil ihres Produkts war durchdacht und wurde genau so entworfen und gefertigt, wie er sein sollte. Diese Handwerker ließen in ihrer aufmerksamen Selbstdisziplin selbst dann nicht nach, wenn es sich um Teile handelte, die am Ende gar nicht mehr sichtbar sein würden. Niemand hätte bemerkt, dass diese Teile nicht ganz sauber gearbeitet waren, doch die Handwerker wussten es und konnten solche Schlampereien nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren. Nichts wurde unter den Teppich gekehrt. Man könnte vielleicht auch sagen: Es gab keinen Bullshit.« [S.28]

Heute hingegen gibt es ganze Anleitungen zum Thema »How to Bullshit«. Es wird eine Disziplin und die wichtigsten 4 Hauptschritte, zitiert von WikiHow lauten:

1 © Dieter Telfser 2005 Think quickly. — If you take too long, people are not going to believe you. The first thing that comes into your head is probably not the best choice unless you are used to bullshitting... but after a half second, you should have about three or so thoughts, one of which will work.

2 © Dieter Telfser 2005 Make sure it’s believable.Use information that you already know, and extend it just beyond the realm of what you know.

3 © Dieter Telfser 2005 Any version of the popular Trivial Pursuit games can provide one with a great source of bullshitable material.Simply read the questions and their associated answers. This store of useless, but true, knowledge can provide the perfect platform on which to build a great bullshit tale. There’s nothing like having just enough knowledge to be dangerous!

4 © Dieter Telfser 2005 Say what you say with confidence. — If you say »um« and »stuff« nobody will believe you. If you say something like »In reality the sky is actually green«, you can convince someone if you only say it in a tone that makes it seem true. It is only afterwards, when they think about the logistics, when they realize it’s false.

Auch wenn dieses Englisch im Grunde nicht ins Deutsche gebracht werden kann, bleibt mir zu »On Bullshit« nur das Schmunzeln, wie wahrscheinlich vielen, die den vulgären Slang der Gassensprache auf dem Highway wissen. Die Freiheit über Form und Wissen, aus persönlichen Erfahrungen Produkte zu erstellen, hat tatsächlich alte Schule, obgleich ich mich schwer tue mit Harry Gordon Frankfurt mitzufluchen. Ich denke, das Experiment ist es allemal wert, restriktive wissenschaftliche Dogmen als Lügen in seiner zeitgemäßen sozialen Bauart nachzurüsten.

Alleine die individuelle Auseinandersetzung und das vertiefende Überdenken, sofern der Bildungshintergrund leistbar und zugänglich gemacht wird, werden Aufschluss darüber geben, mit wie viel Mist auch weiterhin gedüngt werden muss. Zwanghaft ist der Vorgang der öffentlichen Verbildung aber nur deshalb, weil europäische Bildung »Bullshitting« zu unterliegen scheint. Insofern ist es leicht, von der Princeton Universität aus auf eine weltweite geistige Verarmung und Verdummung zurück zuschließen, zumal der wissenschaftliche Aufschrei ja wieder in seiner philosophischen Grunddisziplin mündet.

Dieses Experiment hält seinen Vorsprung für angebracht.
Dieser Essay belegt das Ende eines natürlichen Kreislaufs.
Dieses Spiel bedeutet, sein persönliches Unwissen auszusetzen.
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© Dieter Telfser 2006

Bla, Bla, Bla: »Ein Epiphänomen ist das, was zu einem Phänomen hinzukommt. Die Pataphysik, deren Etymologie mit epi [meta ta physika] zu schreiben ist, ist die Wissenschaft von dem, was zur Metaphysik hinzukommt — sei es innerhalb, sei es außerhalb ihrer selbst — und die sich ebenso weit jenseits dieser ausdehnt, wie diese jenseits der Physik [...] Sie soll die Gesetze untersuchen, die diesen Ausnahmen unterliegen, und will das zu dem existierenden zusätzlich vorhandene Universum deuten.« — [Alfred Jarry, Doktor Faustroll]

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