Reteid Resflet*21 Open Sources 9.7
Friday, 14. April 2006
Everything Anytime! — Über das »Schöne Übel« und seine Inszenierung als Weltvormacht. DNAdresses als visuelles Additiv, um seiner unnötigen Komplexität saubere Luft zu versprechen. — You may expect more Knowledge Behind!

© Dieter Telfser 2006 — Everything Anytime! — Über das »Schöne Übel« und seine Inszenierung als Weltvormacht. DNAdresses als visuelles Additiv, um seiner unnötigen Komplexität saubere Luft zu versprechen. — You may expect more Knowledge Behind!
Ehrlich gesagt kann ich sie nicht mehr sehen! — Addierte Farbstreifen, die Identität als solche in Stoffmustern mithauchen. Die damit anskizzierte Vielfalt wird zur Dekorationssache, die im Grunde aus der Tapezierkunst Venedigs stammt und über mediale Labors und, seit dem Hype von Genetikas, nun auch in die visuelle Zunft gefunden hat. Ob es nun die neue Europaflagge, Wein aus Chile, Südtirols Dachmarke, die Rainbowflagge, oder Paul Smiths Mode sind, oder es noch viele folgende Farbspielereien zeigen werden, erschöpft sich hoffentlich bald mit der Pensionierung von Barcodes.Es ist schon recht klumpig, wie farbprächtig visuelle Markanzen, auf den Strich reduziert, ständig neue fiktive Ordnungsbilder einläuten wollen. Wie immer man sie versteht, bleibt eigentlich dem Interpretationsraum von persönlicher Tageswürze vorbehalten.

Alle auf ein Stoffmuster deklinierten Systeme haben das Prinzip »Sauber« und »Bunt« zu gleichen Teilen im Einsatz. Es ist der Quantensprung von grafisch eigentlich schwierig durchführbaren grafischen Lösungen, welche aber durch Inspiration bei Strichcodes doch wieder verständlich gemacht werden können. So würde sich auch niemand mehr davor fürchten wollen, als durchsichtiges Menschlein auf einem Streifen Papier, vollkommen anonym und doch identitätstragend seiner Funktion zu dienen. Der Zweck heiligt hier aber nicht die Mittel, sondern flacht jedwede räumliche Verbindung bzw. den in sich sowieso vorhandenen Reichtum auf eben jene Bälle ab, die wir elegant gepostet im Tor wissen wollen.

Dass dieses kaum verständliche Kryptikum aber gut funktioniert, muss wohl am Bühneneffekt seiner Anwendbarkeit liegen, denn überall wo bunte Verzierungen im grauen Alltag zu finden sind, springt jener Gehirnteil an, den die Phantasie tatsächlich dafür benötigt, um alles darum herum erneut zu vergessen. Die damit vermittelte Botschaft bleibt also das Rätsel der Farbenhoheit selbst. Darüber nachzudenken macht deshalb wenig Sinn, weil man dem einzig legitimierten Spiel von Chromatas eben seinen eigenen Anspruch nachträgt. Man bleibt staunend deshalb davor, weil man sich doch tatsächlich immer in einem winzigen Teil dieses Spektrums wieder finden könnte, und sei es nur für ein Foto davor.

Wenn Politiker bzw. Werber mit diesen Elementen umgehen, so tun Sie das genauso kleidend wie jene Tapezierermeister, die mit Anmut ihren Stuhl damit endschönen. Sie setzen sich nicht auf ein Muster, sondern bewundern mit Begeisterung die unverständliche Farbvielfalt, die das Kind in uns so anzusprechen vermag, bis wir dahinter gar nichts mehr vermuten wollen, als viel lieber ständig neue Dinge damit basteln können. Es bleibt dem Gedanken von Reduktion aber immer vorbehalten, damit auch seine mächtige und mögliche Intelligenz mitzuvermitteln. Das heißt im Falle der neuen Europaflagge: »wir gehören zu diesem Muster«, müssen uns nicht mehr suchen, sind vertreten, wissen das in unserer eigenen Buntheit durch Streifen so vermittelt, dass wir die Leistung automatisch an die Technik abgeben.

Technik die schönt, zumal die Zeitrechung und Postscript tatsächlich bunt zu machen scheinen, obwohl doch gähnende weiße Flächen mit Mikropunzen genau das sind, auf das unser Gefühl anzusprechen scheint. Am besten hochwertig produziert bleibt das hochwürdig gedruckte Produkt ebenso nur ein auf Raster zu reduzierender Code. Überhaupt wirkt jede Art und Weise, die mit dem Wort in Verbindung zu stehen scheint, als jene Erlösung der Ratlosigkeit, der zukünftigen vielfach zu zentralisierenden Strukturen Abhilfe schaffen soll. Es bleibt eine sehr zweischneidige Mischung aus Personal Impact und noch nicht entschlüsselter Silberpigmentierung:
© Dieter Telfser 2006 — Everything Anytime! — Über das »Schöne Übel« und seine Inszenierung als Weltvormacht. DNAdresses als visuelles Additiv, um seiner unnötigen Komplexität saubere Luft zu versprechen. — You may expect more Knowledge Behind!
Fotografie mahnt mit jedem Klick zu noch mehr Detail. Das wird sich mit den Plastikbildern nicht ändern und trotzdem bleiben die Bildbeiträge der letzen 10 Jahre einfach vorwiegend Torschüsse, die den Ball bzw. das Spiel selbst so flach wie möglich halten, um es nicht erneut ergründen zu müssen. Dass alles einfacher in der Dusche geht, hat ja nichts mit den Instrumenten zu tun. Wenn ich Gimp mit Photoshop vergleiche, verstehe ich erst den Unterschied an noch zu bewältigenden sozialen Verschiebungen und die Festgefahrenheit von Gestaltern, die sich das Instrument leisten oder eben nicht. Schön bleiben Silicons allemal, zumal weiße oder silberne Geräte ja nur reflektieren. Zudem leisten die »Geräte« immer noch nicht das, was man fein säuberlich, bzw. dualistisch als lernbaren Hard- und Softcore bezeichnet. Ich denke, das liegt an den Menschen und nicht an den Entwicklern.

Ich bin schon sehr froh, dass sich die Mathematik an sich so langsam dem Malen von Bildern hingibt, denn es wird höchste Zeit, dass die Ingenieure, die sich die Intuition gar nicht zugestehen, endlich auf ihr Wissen »plumpsen«. — Natürlich ist immer mehr dahinter, als man davor erkennen mag, aber die Idiotisierung von Fächern hat uns wohl eine neue Spezialisierung von »Tu es einfach!« als Haupthaken übrig gelassen. Da nützen gar schnelle Sneakers nur dann, wenn kein Gegenwind die Farbe verändern könnte. Sauber wirken Identitäten heute deshalb, weil sie [überlegt oder unüberlegt] vorwiegend reproduziert bzw. penetriert werden. D.h. die Möglichkeit der persönlichen und somit autonomen Entdeckung bleibt als kaufbare und erlernbare Betreuungsdisziplin Neurolinguistikern im Topf. Die Mischung aus Gift und Heilmittel ist nach wie vor eine Frage der richtigen Etikette.

Die Erkenntnis, aus Fehlern tatsächlich glaubhafte Destillate zu gewinnen, bleibt nach meiner Erfahrung mittlerweile nur mehr eine Frage von Distanz und Ebenen. Ebenen, mit denen man mich gerne von der realen und tauglichen Kommunikation zu trennen versucht. Offen heißt im heutigen Sinne aber nur mehr »Offen zeigen«, d.h. die Darstellung überschattet das Ereignis von den Ressourcen selbst, zumal die Klarstellung von weniger verstecktem Kopfgut ja immer voraussetzt, dass dahinter mehr Farben stecken als sie davor brillieren. Die Negotiation als Stoffmuster beinhaltet aber jede Disziplin die »Schön sein muss«, da sie sonst in keinem Falle wahrgenommen wird. Wenn man so will, sind Farbcodes heute die Lollies von früher, mit denen man alles Mögliche interpretieren konnte, solange man nur den Zucker endlich intus hatte und daran lutschen konnte.

Die gedruckte Verpackung einer Identität [ich persönlich würde Logos ja auf Schuhsohlen als Stempel montieren, damit sie endlich wirklich gelebt werden] scheint sich tatsächlich mit und in seiner Technik zu erschöpfen. Was übrig bleibt, sind staunende Konsumenten, die mit ihrer eigenen Identität erst wieder zu persönlicher Farbe finden müssen; und das ist heute ja wirklich nicht unbedingt mehr hilfreich und ausreichend genug. Das einzige, was Farbstreifen wirklich geschafft haben, sind wirklich dekorierende Stoffmuster, wie sie beispielsweise Rubelli in Venedig oder die Brüsseler Werkstätten fabrizieren, einem an und für sich zu nüchtern gehaltenen Raum sein Leben zu vermitteln. Ich denke ernsthaft, dass Farbcodes, welcher DNA-Derivanz auch immer, wirklich am besten auf das persönliche Wohnumfeld in freundlicher Gesinnung abgestimmt werden sollten.

Der Rest ist wohl Europa.
Gott, ist mir heiß!
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© Dieter Telfser 2006

Der wohl erste selbst zensierte Beitrag.

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