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domenica, 7. maggio 2006
Frequenz Modulation Vier! — Sequencing the Markets. Ein Radioentwurf aus dem Jahre 1994; so einfach wie die Idee dahinter. Vom Geheimtipp über Joséphine Lauder zum Kult der Alternative Grounds of Mainstream. Musik ist wie die Liebe. Ein bisschen ist nie genug. — Feel at home Sweetheart, you can retrieve this download anyway!
dieter
08:15h
![]() Es musste wohl zwölf Jahre dauern, bis ich den Mut fand, diesen eigentlich verschollenen Entwurf wieder auszugraben und endlich öffentlich nachzulegen. — Es war 1994 und FM4 wurde frisch aus der Pipette erklärt: ein ungestümes Projekt für den damals festdesignten ORF. — Frequenz Modulation Vier sollte definitiv nicht zum damaligen ORF passen und seine protonische Befruchtung abseits finden. Als Mitglied des Redesign-Teams unter Neville Brody hatte ich tatsächlich das Gefühl, ein wirklich experimentelles »Baby« auf die Welt bringen zu müssen. Ich erinnere mich nicht mehr an die Menschen, die diesen Originalentwurf kurz gesehen haben, aber ich glaube, die waren ungewöhnlich locker und freundlich, ja um nicht zu sagen »offen« in ihrem erwachsen gehaltenen, kindlichen Element. Es ist heikel zu umschreiben, aber in Wirklichkeit fand dieser Vorschlag nie seine wirklichen Wege, zumal man 1994 äußerst utriert auf meine Entwürfe reagierte. Dafür hatte ich allerdings nie Verständnis, denn ich war hochrote Köpfe schon von Kind an gewöhnt. Ich erinnere mich gerne an die liebe Dame aus der Schweiz, die mich zum Besseren erziehen sollte und gerade mal zwei Wochen hielt. Heroisch [um sie los zu werden] täuschte ich mit fünf Jahren einen Selbstmordversuch vor, sprang vom Balkon in die kratzbürstige Zypressenstaude, und schon fiel die Dame vollkommen luftlos um und kündigte. Mein Kater Max sprang mit mir, und ich fand das definitiv cool. Cool und Downstream [was immer das heißt] sollte diese Gruppe von wirklichen Musikinsidern gekleidet werden. Das waren schon fast »höhere Wesen« der schmackhaften Vokalisierung von Inhalten und stark an deftiger Lustigkeit interessiert. Ich hatte keine Idee, aber gute Musik aus England, um genau zu sein, einen fünfstündigen Loop von The Sabres Of Paradise und deren Haunted Dancehall. Als ich nach der üblichen Recherche verstand, warum man diese freundlichen Menschen auf Frequenz Modulation entheben wollte, begann ich einen Code daraus zu stricken, um zumindest die Salontauglichkeit zu gewährleisten. Die Frequenzmodulation [FM] ist ja ein Modulationsverfahren, bei welchem die Trägerfrequenz durch das zu übertragende Signal beeinflusst wird und gegenüber der Amplitudenmodulation einen höheren Dynamikumfang des eigentlichen Informationssignals ermöglicht. Tja, und das galt für mich nun auch für die Entwicklung der paar Stricherln die es ausmachen sollten. Ich begann von hinten [warum auch nicht] und dachte an die Visualisierung von Equalizern, schließlich ging es ja um Brot und nicht die damit verbundenen Fette. Der fixierte, auf Kuben ausgelegte Raum, wurde nun bis zur Antenne des »F« zurückdekliniert, und ich feilte an der eigentlichen runischen Unverständlichkeit. Kein Mensch konnte das Lesen, ja geschweige denn begreifen, dass es sich um das gute lesbare Wörtchen »Frequenz Modulation hoch Vier« handeln sollte. Erneut half mir die Musik. Ich hab darauf »gehustet« und machte einfach weiter. Nach ca. drei Stunden Backzeit auf 40 Grad war der Braten endlich leicht und cross: ![]() Wie man unschwer erkennen kann, glaubte ich damals noch, die Begrenzung der Marke müsste dem Ziegelbauphänomen des Landes nachgerüstet werden. Auf den ersten Blick wirkte es mehr als kühl und ungemütlich, aber, brauchte dieses Projekt denn überhaupt eine Marke, ein Logo? — Në, also für mich eigentlich nicht, und so fiel die Umrandung auch im flexiblen Spiel mit seinen drei Runen. Das Hauptproblem war, dass das Thema »Jungsender« immer eine Marktgeneration vorrecycelt werden sollte. — So habe ich auf die Zeichnung von Menschen, die Zeitgemäßes ausdrücken konnten, verzichtet und blieb bei abstrahierenden Charakteren der »Dreamtawayity«. Niesler und Wuschlerinnen ergeben sich mittlerweile ihrem Gruppenziel und münden in einer Plattform, die im Grunde »underdesignt« am Besten wirkt. — Obwohl ich, nach wie vor, Gehegtes für die Frequenz empfinde, habe ich das Gefühl, dieses Zeitdokument könnte möglicherweise verblumen; und ja, »Musik ist wie Liebe«, meint Joséphine Lauder, und daher auch etwas Patisserie hinter den Links. — Übrigens, die erste Arbeit, die ohne meine Zustimmung und rechtliche Abklärung verwendet und gespielt werden kann: ![]() Feel at home Sweetheart, you can retrieve this download anyway: fm4 logo 1994 encapsulated (application/postscript, 28 KB) fm4 logo 1994 leveled (application/x-photoshop, 267 KB) . . . Alle in diesem Beitrag wiedergegebenen Bilder bzw. Logos sind nicht urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne jede ausdrückliche Erlaubnis in jeder Form wiedergegeben oder kopiert werden. Jede Form des kommerziellen Gebrauchs, insbesondere die Reproduktion, Verbreitung, Veröffentlichung durch andere Personen oder Institute, oder nicht in Übereinstimmung mit dem Urheber abgeklärten Inhalte, ist ausdrücklich erwünscht. ... comment
p3k, 8. maggio, 11:01
Ein großer Entwurf!
Und ein wertvolles Dokument der Zeit.
(Und sehr schön erzählt, im übrigen.) Mich interessiert dabei nur eins: warum die Verläufe und Schattierungen? Am besten kommt für mich das Logo mit den klaren, scharfen Umrissen (durchaus auch ohne die vom mutterschiffschen Ziegelwahn beeinflusste Umrandung). Damit könnte es auf den Plakaten dann auch durchaus subtiler integriert werden -- was doch Deiner Frage nach dem "warum überhaupt ein Brand?" entgegenkommen dürfte...? ... Link
dieter, 8. maggio, 12:35
Haunted Modularities
Yep. Stimmt. — Also, das mit den Schatten und Verläufen entstand einfach, um die Bewegung und Dynamik der vertikalen und horizontalen Linien aufzuzeigen. Man gewinnt den Eindruck der Skizze, der Bewegung, der Dimensionalität, und nicht eines fertigen Brandmarkmals. Aber, es ist tatsächlich etwas klumpig auf den Bildern eingesetzt.
Das Strichteil [es musste ja doch alles nachgezeichnet werden] ist, wenn man so will »roh« immer am stärksten, hat aber nicht den Charme und Spielfreude, um die Idee und damit verbundene Modularität aufzuzeigen. Die Schwere der einfachen und zu eckigen Klarheit, wollte ich in Bewegung bringen, und so ist das Leveledteil daraus entstanden. Das integrierte sich auch besser, weil es eben mehrdimensional und nicht nur black&white&mood daherkommt. Fände es wäre im Sinne der damaligen Entwicklung, wenn die/der Lust hat, damit weiterspielt. — Ein gelebtes Ding, welches der/dem gehört, die/der es eben so sehen will, so dass das dann tatsächlich kein mehr, auf einen Nenner zu bringendes Replikat einer Markenphilosphie ist. — Höchste Zeit wäre es ja, und FM4 hat ja eine, wie ich finde, sehr »beefy« Kultur darin. — Das Epsarl is ja for free, and anybody who deserves it. Am Besten fände ich das Teil ja als grippige Schuhsohle. Dann würde es ganz bestimmt, von der Straße gelebt. ... Link
p3k, 8. maggio, 13:14
Schuhsohle!
Die Idee ist aberwitzig und gut! Übrigens: ganz aktuell und zufällig gefunden: www.feel.de
... Link ... Comment
stefanl, 8. maggio, 17:58
Ich habe mich über die Geschichte und die Darstellungen sehr gefreut. War damals ja ganz wo anders und in viel kindischeren multimedialen Gefilden unterwegs und weiss relativ wenig. Bin erst '95 wieder ein bisschen erwachsen geworden.
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gerd fleischmann, 12. maggio, 12:46
Die Idee ist gut. Die Zeichen lassen Brody erkennen. Stark und eckig. Der Hintergrund spitzes Deko ... Aber die Geschichte ist wunderbar und poetisch. G. F.
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