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Wednesday, 10. August 2005
PURE. Humans by Eva Kern. — Defragmentierende Kernessenzen auf Licht. Weniger zufällige Zeitdokumente als Einladung sich täglich neu zu enthüllen. Ein Lebenswerk und seine unaufdringliche Absicht dahinter. Die Öffnung des Herzens als Botschaft nach eigenen Gesetzen zu sichten — Open Your Eyes, Open Your Hearts!
dieter
10:10h
![]() Eva Kern ist gebürtige Wienerin und hat ein Herz aus Gold. Als Photographin mit Schwerpunkt Portraits, photographiert sie ausschließlich mit Tageslicht. Die Synergie oder das Zusammenwirken von Lebenssituationen, Stoffen und Kräften im Sinne von »sich gegenseitig fördern« bekam vor der Kamera von Eva Kern eine ganz neue Bedeutung für mich. Es ist der Moment wo sich das Ganze in der Summe seiner Teile verliert, und man sich einfach nur noch geborgen vor ihrer Linse fühlt. PURE schälte sich als Lebenswerk, Langzeitprojekt und Aufgabe. Es geht um den unverhüllten Blick. Ungeschminkte Gesichter schauen gerade in die Kamera und dem Betrachter offen ins Gesicht, ohne Aggression und ohne zu bewerten oder Stellung zu beziehen. Die Aufnahmen entstehen bei ihr zu Hause; in ihrer Seele. Persönlich und geschützt lässt sie sein, um vorhandene Punkte zu erkennen. Es ist nicht die Geschwindigkeit, als vielmehr der richtige Moment, die Dinge dann einzuleiten, wenn sie sie intuitiv ertastet und dann dem Intellekt nachreicht. PURE debutierte 2003 am »Institut für Ethik und Recht in der Medizin« des alten AKH in Wien. Mit neun ausgestellten Portraits auf 140 x 140 cm bzw. 250 x 250 cm, im DIMAX-Druck auf Printex Textilmaterial glückte die Geburt einer umfassenden Serie von Perlfragmenten und Menschen, die sich in einem geschützten Umfeld zeigten. ![]() Eva Kern gestattete mir ein Interview mit Fragen, die ich ihr schon immer stellen wollte: EK: Da könnte man denen jetzt herrlich »Open Your Eyes, Open Your Hearts« entgegenschleudern, aber Vorsicht: auf so eine uncoole Aussage hätten sie sozusagen gerade gewartet, die Kunstrabauken! Wer sind die überhaupt? Jetzt ernst: ich bin vielleicht naiv, aber ich glaube nicht, dass ich da viel entgegensetzen werde müssen. Man wird sehen, noch ist es ja eine Blume, die mehr oder weniger im Verborgenen blüht. EK: Ich finde es interessant, dass du ein ungestümes Feuer in mir wähnst! Aber ich kann es nicht leugnen, es ist schon da, offensichtlich sichtbarer als mir bewusst ist. Ich denke es kommt aus einer Art alten, archaischen Urwut. Sie reißt mich immer wieder heraus, wenn es zu harmlos und zu gemütlich wird. Man ist ja schließlich recht harmoniebedürftig, da braucht man so einen Funken, so ein Flammenschwert. EK: Wenn du fragst, ob sich durch die Krankheit und das Sterben meines Mannes auch meine Arbeit verändert hat, wenn du das meinst, kann ich nur sagen: natürlich! — Ich bin dadurch dem Menschlichen noch um ein großes Stück näher gekommen, und das ist ja schließlich das Thema von Pure. EK: Es gab keine bewusste Entscheidung zur allgemeinen Verständlichkeit. Es war mir relativ bald klar, dass dieses Projekt eigentlich nicht großartig erklärt werden muss. Sagen wir, etwa zehn Pure Portraits nebeneinander und jeder wird instinktiv begreifen worum es geht. Je mehr Portraits, desto klarer die Aussage. Zur Nützlichkeit kann ich nur sagen: wer es versteht, dem wird es auch nützlich sein. EK: Höflichkeit und Respekt hat nichts mit Anpassung zu tun! Ich hoffe, ich verstehe dich, wenn ich annehme, du willst von mir erfahren bei welchen Themen mir der Kragen platzt? Etwas, das mich immer völlig hilflos meiner wilden Wut aussetzt, ist ein stumpfsinniges, emotionsloses Gegenüber. Ich empfinde es als Leblosigkeit, und das ist für mich unglaublich bedrohlich, nimmt mir mitunter förmlich die Luft. Da kann es dann schon passieren, dass mir meine Freundlichkeit kurz abhanden kommt. ![]() EK: Ich fühle mich, vor allem bei Pure dem jeweiligen Menschen, der gerade vor meiner Kamera sitzt, tief verbunden. Manchmal muss ich die Tränen unterdrücken, so sehr rührt es mich mitunter, so sehr berührt mich dieses Menschsein. Außerdem macht es mir so viel Freude, und dafür bin ich dankbar. Ich kann es in Worten nicht ausdrücken, aber es ist überwältigend. Es ist Liebe. EK: Der Humor selbst ist die Quelle. — Aus der Fähigkeit über vieles lachen zu können, auch über mich selbst natürlich, beziehe ich ganz sicher viel Kraft für alles Mögliche. EK: In Zusammenhang mit Pure ist mir natürlich ganz wichtig, dass die Würde und der Respekt den Abgebildeten gegenüber in jedem Fall gegeben sein muss. Ich will auch nicht, dass einzelne Photos aus diesem Projekt veröffentlicht werden, es sollten immer mehrere Pure Portraits sein, sonst ist der Schutz der Gruppe nicht mehr gewährleistet. Durch die Vielzahl erkennt man die Bedeutung. Einer allein wäre da wohl schon mitunter dem Zynismus der Umwelt ausgesetzt. Das will ich nicht. Rein technisch ist mir natürlich auch eine optimale Bildwiedergabe wichtig. EK: Da bin ich mir selbst noch nicht so im Klaren darüber, aber sicher will ich es an keinem Ort sehen, wo den abgebildeten Menschen nicht die nötige Achtung entgegengebracht wird. Das ist mir sehr wichtig. Im Großen und Ganzen glaube ich daran, dass mit etwas Vor- und Umsicht dieses Projekt seinen Weg finden wird. ![]() EK: Prinzipiell suche ich nicht, es ergibt sich eigentlich immer. Manchmal erzähle ich zum Beispiel, dass ich gerne mehr alte Menschen vor der Kamera hätte. Da passiert es mitunter schon, dass da jemand sagt: »Ich kenn da wen, die/der würde, glaube ich, gerne mitmachen.« So gibt es auch schon einmal eine Zusammenkunft, ohne einander vorher gesehen zu haben. Telephoniert wird aber immer vorher, man hört dann die Stimme, das ist der erste persönliche Kontakt, damit begeben sich beide Teile in eine Vertrauenssituation. Ich vertraue halt auch den Leuten, dass sie mir niemanden schicken, der mit der Situation nicht zurecht kommt. Fast jede/r Photographierte nennt mir eine weitere Person. Bis jetzt bin ich mit dieser Art sehr gut gefahren. Mir ist aber auch bewusst, dass bei dieser Vorgehensart manche Gruppen zu schwach bis gar nicht vertreten sind. Alte, oder von anderer ethnischer Herkunft, auch behinderte Menschen fehlen fast zur Gänze. Das ist natürlich nicht beabsichtigt, es hat sich nur noch nicht ergeben. Mir gefällt daran, dass es von selbst kommt, ich kaum eingreifen muss. Nachdem es ja ein »Work in Progress« ist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Kontakte zu den fehlenden Gruppen zu Stande kommen. Manchmal mache ich aber auch eine Pause vom Projekt, — einige Wochen, um den Abstand zu bewahren. EK: Also, »Open Your Eyes, Open Your Hearts«, das stand im allerersten kurzen Text, den ich dazu verfasst habe. Damals gab es das Pure Projekt eigentlich noch gar nicht, es wusste nicht, dass es einmal so weiter wachsen würde. Daher bitte ich in Zukunft diese zugegebenermaßen recht plakative Aufforderung wegzulassen. Ist mir ein wenig peinlich. Die Botschaft würde heute lauten: Hinschauen! Vielen Dank für das Gespräch. . . . © Dieter Telfser 2005 für Eva Kern © Eva Kern 2005. PURE. Humans by Eva Kern. — Die hier wiedergegebenen Photos sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne ausdrückliche Erlaubnis in keiner Form wiedergegeben oder kopiert werden. Jede Form des kommerziellen Gebrauchs, insbesondere die Reproduktion, Verbreitung, Veröffentlichung durch andere Personen oder Institute, oder nicht in Übereinstimmung mit Eva Kern abgeklärten Inhalte, ist ausdrücklich untersagt. ... comment /% story.backlinks %> |
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