Reteid Resflet*10 Open Sources 1.7
© Dieter Telfser 2006_07 — <b>All my true wishes for a Brave New Year, within this Orbit here. — Macht der Wünsche. Kraft der Kugel. Energie der Erfüllung.</b> — <b><a href="http://telfser.com/images/holy+soma+logo/">HolySoma</a></b>« entstand <b>als Idee</b> den Begriff »<b><a href="http://telfser.com/images/holy+soma+007/">Weihnachten</a></b>« von seiner <b>nächtlichen Gnade</b> zu entheben. Die Lust <b>aus dem Wunsch zur Abstraktion,</b> Vervielfärbung von Inhalten, die teilweise ja <b>sehr persönlich,</b> also auf einer anderen <b>als nur zentralen</b> Bühne spielen. <em>Das bedingt, dass die Auseinandersetzung mit so umfangreichen Themen</em> wie <b>Stabilität, Frieden und Freiheit</b> eben sehr <b>wenig mit Gentechnik</b> zu tun haben. Obgleich <b>die Härte zu sich selbst</b> seine individuelle <b>Zerstörung impliziert,</b> möchte ich dazu beitragen, die <b>eigene Verantwortung</b> für das Handeln <b>weniger über den Körper</b> zu komplizieren.
All my true wishes for a Brave New Year, within this Orbit here.
Macht der Wünsche. Kraft der Kugel. Energie der Erfüllung.

HolySoma, Everybody!
.
.
.
© Dieter Telfser 2009 © Dieter Telfser 2005 10

»HolySoma« entstand als Idee den Begriff »Weihnachten« von seiner nächtlichen Gnade zu entheben. Die Lust aus dem Wunsch zur Abstraktion, Vervielfärbung von Inhalten, die teilweise ja sehr persönlich, also auf einer anderen als nur zentralen Bühne spielen. Das bedingt, dass die Auseinandersetzung mit so umfangreichen Themen wie Stabilität, Frieden und Freiheit eben sehr wenig mit Gentechnik zu tun haben. Obgleich die Härte zu sich selbst seine individuelle Zerstörung impliziert, möchte ich dazu beitragen, die eigene Verantwortung für das Handeln weniger über den Körper zu komplizieren.



»Heimatlose Hülsen« oder »Homless Voyagers« will ich also eine Generation nennen, die sich in ihrer Geborgenheit noch keinen Rezeptor zuspricht. – Obgleich die Schäden durch stetig unterbrochene Arbeitsrythmen längst nicht mehr in ein Handy zu tippen sind, zweifeln »wir« an unserer Tageseffizienz. Nicht spürend, das große Teile jener Vorgänge unter Tags ja gar nicht mehr gesehen werden können. Es liegt also nie an einem Ort, oder an einer Stadt festzustellen, ob man das je so sehen wollte. Seit ich in Wien bin, korrigiere ich mein Wienbild über den Glastyp und nicht über die Darbietung von Vorhandenem. – Das Vorhaben: »Milde«, denn ohne sie besteht keine Voraussetzung nützliche Vorgänge zu erkennen.

... Link (0 comments) ... Comment


© Dieter Telfser 2008 — <b>The molecular basis of <b><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Epigenetics">Epigenetics</a></b> is complex.</b> — It involves modifications of the activation of certain genes, but not the basic structure of DNA. <em>Additionally, the chromatin proteins associated with DNA may be activated or silenced.</em> This accounts for why the differentiated cells in a multi-cellular organism express only the genes that are necessary for their own activity. <b>Epigenetic changes are preserved when cells divide.</b> Most epigenetic changes only occur within the course of one individual organism's lifetime, <b>but some epigenetic changes</b> are inherited from <b>one generation to the next.</b> — <b><a href="http://telfser.com/stories/6097/">Congratulations, Rahul!</a></b>
Es gibt keine Sterne denen ich huldige;
Es gibt Blumen, die ich pflege, bzw. arrangiere.

Wie Sie möglicherweise auch!

Dieser Mann verdient meine Aufmerksamkeit:
Rahul Gandhi hab ich in mein Herz geschlossen,
sowie mir Grafik eigentlich passierte.

Was darf ich lernen?

Milde! — Erneut Milde!

Er begeistert nicht nur wegen seiner Geschichte,
sondern wegen der ihm noch nicht bekannten.

Ja, ich glaube, ich bin ein Fan,
von Rahul Gandhi!

Und habs ihm auch geschrieben.

Congratulations, Rahul!
.
.
.
© Dieter Telfser 2009

The molecular basis of Epigenetics is complex. — It involves modifications of the activation of certain genes, but not the basic structure of DNA. Additionally, the chromatin proteins associated with DNA may be activated or silenced. This accounts for why the differentiated cells in a multi-cellular organism express only the genes that are necessary for their own activity. Epigenetic changes are preserved when cells divide. Most epigenetic changes only occur within the course of one individual organism's lifetime, but some epigenetic changes are inherited from one generation to the next.

Die Stimmung der Zeit lässt sich durch den Wunsch bzw. die Fähigkeit seine eigenen psychischen Prozesse beeinflussen zu wollen, am besten bewerten. Überwachte und bis auf die Zelle sezierte Gefühle, sollen Orientierungshilfe für das künftige Denken und Handeln geben. Kodexe wie »Emotinale Kongruenz« erläutern eine Zeichnung von Emotionen [und wohl auch Nicht-Emotionen] über welche man sich selbst und anderen zu einer adaptiven Regulierung verhelfen kann. Eine Bewertung setzt also seine sequenzielle und geschichtliche Überwachung voraus, und bedingt eine fast entkörperlichte Haltung zu eigenen aber auch fremden Stimmungen. — In den meisten Fällen übersteigt jedoch eine Diskrepanz von Stimmung und seinen Bedürfnissen den Wunsch nach Veränderung.

... Link (0 comments) ... Comment


© <b><a href="http://www.meinradphotography.com/">Meinrad Hofer</a></b> 15.08.2008 — © Dieter Telfser 2008 — Brille: <a href="http://www.hartmann-wien.at">Hartmann Optik Wien | Vision Care Center,</a> — <a href="http://www.expectations.co.uk">Sweat Suit</a> by Expectations | London — Das aus der Verhaltensbiologie bekannte Sisyphos-Dilemma belegt in diesem Zusammenhang das Prinzip der »doppelten Quantifizierung«. Es erklärt eine Handlung aus dem Verhältnis von »Triebstärke«, also Motivation und »Reizstärke«, also Motivierung. Bei entsprechender Reizhöhe, ist demnach nur noch ein geringer Eigenantrieb nötig, um eine Handlung auszulösen. Je höher die Reizstärke, desto geringer die benötigte Triebstärke. Da Reize aber bekanntermaßen schnell abflachen, müssen sie immer höher geschraubt werden. Dies führt aber zu einer Anspruchsinflation im Allgemeinen. Entsprechend sinkt auch der Eigenantrieb. Die Mittel sabotieren sozusagen ihre Zwecke. Das aus diesem Zusammenhang abgeleitete Regelwerk nennt sich das Sisyphos-Dilemma und bedient die Formel: Alle Motivierung zerstört die Motivation! — <b><a href="http://telfser.com/stories/4759/">Preblocking Areas!</a></b> — Weniger sichtbare Realitäten in der Organisation von dezentralisierten Strukturen. Über die fast beliebige »Ermächtigung« jenseits von Zweckrationalität und professionellen Vertrauensschlüsseln. Wenn die Macht den wirtschaftlichen Vorgaben nachjustiert werden muss, und dabei die eigenen Koordinaten ausgehen. — Von Kondition zu Motivation zu Rekapitulation zu windbareren Zielen!
Sich »abzustrampeln« bedeutet also nur,
seine eigene Gangart noch nicht erkannt zu haben.
.
.
.
© Dieter Telfser 2008

Zahlreiche Netze, die in speziellen Nervenstrukturen verkörpert sind, dienen dazu, Information nach nützlichen gemeinsamen Kennzeichen zu klassifizieren. — Beim Sehen detektieren sie die Äquivalenz von Wahrnehmungserscheinungen, die mit Ähnlichkeit und Kongruenz in Bezug stehen, wie das unterschiedliche Aussehen eines Gegenstands der von unterschiedlichen Orten aus gesehen wird. — Beim Hören erkennen sie Klangfarbe und Akkord unabhängig von der Tonhöhe. Äquivalente Wahrnehmungserscheinungen haben in allen Fällen diesselbe Gestalt, und sie definieren eine Gruppe von Transformationen, die die Äquivalente ineinander überführen, die Gestalt aber invariant lassen. — Wir suchen nach allgemeinen Verfahren zur Konstruktion von Nervennnetzen, die Formen so erkennen, daß sie für jede Eingabe, die von dieser Form ausgeht, zu derselben Ausgabe führt. — Wir suchen insbesondere nach solchen Netzen, die der Histologie und Physiologie der tatsächlichen Struktur entsprechen. [Pitts und McCulloch, 1947]

... Link (1 comment) ... Comment


PACAP — Pituitary Adenylate Cyclase-Activating Polypeptide as Local Classfield Theory:


Nobody Knows Me is clearly one of Madonna’s personal favorite tracks from the past few years. Not only did the track get several remixes but was also prominently performed as the 3rd song on her 2004 Re-Invention Tour.



If you want to reach the Top, reach the Top!»What are you waiting for? — Nobody’s gonna show you how. Why work for someone else? To do what you can do right now. Got no boundaries and no limits: Give it 2 Me!



Louise, I definitively do agree:
Nobody, Ever Needed to Know!
.
.
.
Dieter Telfser 2007

The Spirit Molecule is a part of our Epiphysa. — The pineal gland receives a sympathetic innervation from the superior cervical ganglion. However, a parasympathetic innervation from the sphenopalatine and otic ganglia is also present. Further, some nerve fibers penetrate into the pineal gland via the pineal stalk. — Finally, neurons in the trigeminal ganglion innervates the gland with nerve fibers containing the neuropeptide: Pituitary adenylate cyclase activating peptide. Human follicles contain a variable quantity of gritty material, called corpora arenacea [or »acervuli«, or »brain sand«]. — Best viewed when tubes feed simultaneously.

... Link (0 comments) ... Comment


Apples Garden of Pure Ideology! — On January 24th, Apple Computer has introduced Macintosh. In the meanwhile you have seen, why »2007« won’t be like »1984«. A Glorious Anniversary on Unifying the Thought. — Information Purification Directives Redirected: We Got One Users!


Intended message: My friends, each of you is a single cell in the great body of the State. And today, that great body has purged itself of parasites. We have triumphed over the unprincipled dissemination of facts. The thugs and wreckers have been cast out. — And the poisonous weeds of disinformation have been consigned to the dustbin of history. Let each and every cell rejoice! For [t]oday, we celebrate the first glorious anniversary of the Information Purification Directive! We have created, for the first time in all history, a garden of pure ideology, where each worker may bloom secure from the pests of contradictory and confusing truths. Our Unification of Thought is a more powerful weapon than any fleet or army on Earth. We are one people. With one will. One resolve. One cause. — Our enemies shall talk themselves to death. And we will bury them with their own confusion. — We shall prevail!



Evaluating the Differnce: Here's to the crazy ones. The misfits. The rebels. The troublemakers. The round pegs in the square holes. The ones who see things differently.They're not fond of rules. And they have no respect for the status quo. You can praise them, disagree with them, quote them, disbelieve them, glorify or vilify them. About the only thing that you can't do is ignore them.Because they change things. They invent. They imagine. They heal. They explore. They create. They inspire. They push the human race forward. Maybe they have to be crazy.How else can you stare at an empty canvas and see a work of art? Or sit in silence and hear a song that's never been written? Or gaze at a red planet and see a laboratory on wheels? — We make tools for these kinds of people. While some may see them as the crazy ones, we see genius. Because the people who are crazy enough to think that they can change the world, are the ones who do.



Heuristically Programmed ALgorithmic Computers 1968: a »computer technology« were Natural language, lip reading, and plain common sense in computers are not any longer elements of science fiction. However, 2001 failed to predict many of the advances that would take place in computing by 2001. The film's creators felt that as computers got more powerful, they would get bigger and bigger—partly true, Blue Gene, a modern supercomputer is very large. HAL occupies much of the living area on Discovery. — A thin laptop or notepad computer is alluded to in a few scenes where they are used to relay news broadcasts from Earth. Also, the film’s portrayal of computer graphics are elegant, though minimalist compared to the graphics and visualization techniques available in 2001. — It was a bug, and I feel much better admitting that now!



The Perfect Thrill: Mid 2007, major airlines reached agreements to install iPod seat connections. The free service will allow passengers to power and charge their iPod, and view their video and music libraries on individual seat-back displays. — A Perfect Thing towards a well grown iPod Nation. — The name iPod was proposed by Vinnie Chieco, a freelance copywriter, who, with others, was called by Apple to figure out how to introduce the new player to the public. After Chieco saw a prototype, he thought of the movie 2001: A Space Odyssey and the phrase »Open the pod bay door, Hal!«, which refers to the white EVA Pods of the Discovery One spaceship. Apple had previously registered the name »iPod« for Internet kiosks, but never put it to use.



From this day forward we’re going to be known as Apple, Inc.
We've dropped the »Computer« from our name.

We really need to talk:
Byte on Hubbing, Steve!
.
.
.
Dieter Telfser 2007

Im Kilt der Familie Macintosh präsentierte ich 1986 Aldus PageMaker und erste Postscript Versionen mit dem Apple Laserdrucker. Desktop Publishing war geborenMacUp in Hamburg startete durch und »wir« hatten das Gefühl eine »echte Mission« zu erfüllen. Wir wollten Menschen mit unserer Begeisterung zeigen, wie wichtig es ist, kommunizieren zu dürfen. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass die Feste nach den absolut erschöpfenden Messetagen auf der CeBit oder SMAU echt deftig waren. Spirit war in der Luft und wir glaubten Steve Jobs mit seinem Konzept von »Unstatus«. Ich erinnerte mich allerdings sehr präzise, dass die Junx mal zu zweit in der Garage waren, um Apples Holzkiste zu entwickeln. — Ich bin sehr gelangweilt von deren immer smarter werdenden Haltung anderen Geräten gegenüber. Viele »Denkstätten« haben es bis heute nicht geschafft tatsächlich nützliche Zukunftskonzepte zu produzieren, denn die einen »schönen« die anderen nieder und finden sich dabei schlechter oder besser, billiger und/oder teurer.Die Entwicklungsabteilungen hätten, meiner Meinung nach, längst jene Dinge in der Schublade, die wir für weniger Umstand in der digitalen Kommunikation benötigten, und das sind wohl kaum: »Smart Portable Digital Magic Hubby Products«.

Bisweilen schaffen es die einen nur sich zu feiern und die anderen, dass sie die billigsten und eben meistverbreitetsten sind. Wir finanzieren mit unseren »MustHaves« deren Zwischenstufen zu Allianzen, zu denen sie noch nicht in der Lage sind. »Brandentertaining« for ever ... very well makeuped. — Es wäre nur freundlich, wenn eine aus dem Volk entspringende Allianz endlich! eine gemeinsam entwickelte Kiste auf den Markt bringen würde, anstatt zusehen zu müssen, wie Apple seine lokalen Händler aushungert, um sich als Dell im Internet zu versuchen. — Ich bin entsetzt zu hören, wie brutal »Franchising-Store-Konzepte« Europa erreichen und wie trickreich Verträge seine ehemalige Basis-Lobby in die Knie zwingen. — Liegt das an deren Arroganz, oder an zu viel, Filmkonzepten für das nächste Anniversary? — »And we will bury them with their own confusion.«

... Link (0 comments) ... Comment


Die Welt ist nicht perfekt. Wie sollte dann ein Text perfekt sein? — Am 16. August 2006 spricht Prof. Gerd Fleischmann in der Kunsthalle Bielefeld zum Thema »Typografie. lernen vom bauhaus?«. Sein Manuskript mit sehr spannenden Ausführungen und Vergleichen stellt er zur Einsicht zur Verfügung. — Hier einige Auszüge: Progressive und innovative Schulen wurden nie besonders alt!
© Prof. Gerd Fleischmann 2006 — Die Welt ist nicht perfekt. Wie sollte dann ein Text perfekt sein? — Am 16. August 2006 spricht Prof. Gerd Fleischmann in der Kunsthalle Bielefeld zum Thema »Typografie. lernen vom bauhaus?«. Sein Manuskript mit sehr spannenden Ausführungen und Vergleichen stellt er zur Einsicht zur Verfügung. Hier einige Auszüge: Progressive und innovative Schulen wurden nie besonders alt!
László Moholy-Nagy kann als Begründer der Typografie am Bauhaus angesehen werden. Herbert Bayer wurde der Werbeprofi, der die Errungenschaften aus dem Bauhaus mit nach Amerika genommen hat. Joost Schmidt hat die Ideen kontinuierlich weiter entwickelt. Er hat das Bauhaus von Anfang bis Ende erlebt, zunächst als Student, dann als Lehrer. Vor 1923 wurde mit Schrift und Satz eigentlich nur experimentiert, immer dadaistisch oder expressionistisch angehaucht. Das Ziel war nicht eine breite publizistische Wirkung, sondern Kunst.

Das Faszinierende war für mich immer, dass keiner, der sich mit Schrift und Typografie am Bauhaus beschäftigte, das je ordentlich gelernt hatte. Alle waren Dilettanten im besten Sinne des Wortes, Liebhaber. So war es für die Bauhäusler auch nichts Besonderes, sich über die handwerklichen Traditionen und die ›Regeln der Kunst‹ hinweg zu setzen. Auch wenn sie für die Realisierung ihrer Entwürfe immer wieder gelernte Setzer brauchten, konnten sie neue Formen und eine neue Bildsprache für Drucksachen entwickeln, wie es später nur noch Wolfgang Weingart, der allerdings eine solide schweizer Ausbildung hatte, mit Blei und Gips gemacht hat. Stellen Sie sich vor, Moholy-Nagy hätte einen Macintosh gehabt! David Carson hat vorgeführt, was das bedeutet, welche Freiheit und welcher neue Umgang mit Sprache möglich ist.

Moholy-Nagy »Die Arbeit des Druckers ist ein Teil des Fundamentes, auf dem die neue Welt aufgerichtet wird.« Das konzentrierte Werk der Organisation ist geisterfüllte Konsequenz, die alle Elemente menschlichen Schaffens in eine Synthese bringt: Spieltrieb, Anteilnahme, Erfindungen, wirtschaftliche Notwendigkeiten. Der eine erfindet das Drucken mit beweglichen Lettern, der andere die Fotografie, ein Dritter Rasterverfahren und Klischee, ein Nächster die Galvanoplastik, den Lichtdruck, das mit Licht gehärtete Zelluloidklischee. Die Menschen schlagen einander noch tot, sie haben noch nicht erfaßt, wie sie leben, warum sie leben; Politiker merken nicht, daß die Erde eine Einheit ist, aber man erfindet das Telehor: den Fernseher – man kann morgen in das Herz des Nächsten schauen, überall sein und doch allein sein; man druckt illustrierte Bücher, Zeitungen, Magazine – in Millionen. Die Eindeutigkeit des Wirklichen, Wahren in der Alltagssituation ist für alle Schichten da. Langsam sickert die Hygiene des Optischen, das Gesunde des Gesehenen durch.

Zuallererst muss der Gestalter (damit ist natürlich immer auch die Gestalterin gemeint) etwas über den Inhalt und die ›Politik‹ des Auftraggebers wissen: Im Fall des Beispiels, das hier diskutiert werden soll, sind die Stichworte Max Bill. Architektur, Kunst, Design – Bauhaus, Moderne, Schweiz, Institut für Kulturaustausch (IKA-Gesellschaft für internationalen Kulturaustausch GmbH, Tübingen), Kunstmuseum Stuttgart und Hatje Cantz als Druckerei und Verlag. Dann muss er sich über die Struktur des Inhalts klar werden. Aber er muss auch eine Beziehung zu dem Job haben, sich ein Bild davon machen – alles auf dem Hintergrund der Vorstellungen des Auftraggebers, der Termine, des Budgets und konkurrierender Produkte. Das kann im Kopf geschehen, als kleine Thumbnails auf einer Serviette abends im Restaurant oder systematisch in Skizzen. Typografie (und dazu gehört die Buchgestaltung als Ganzes) muss verbal gegebene Inhalte in unverwechselbare Bilder setzen. Denn bevor wir anfangen zu lesen, nehmen wir einen Text als Ganzes wahr, als Bild.

Die Auswahl einer Schrift ist immer bestimmt von dem Klang, den der Inhalt hat, und vom Kontext, von der Zeit, in der etwas erscheint und damit vom Markt. FF Meta Plus wäre sicher besser lesbar, aber so anonym wie Helvetica. Sie avancierte zur erfolgreichsten und bekanntesten neuen Schrift weltweit und wird, ähnlich wie die Helvetica, für alles eingesetzt: Von einer Stellenanzeige des Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung über das Logo von artnet bis zur Gebäudetypografie des Sächsischen Landtags. Akzidenz-Grotesk könnte historisch begründet werden als Hausschrift der Schweizer Grafik. Bill hat für Akzidenzen verschiedene Monotype Schriften eingesetzt, wie sie damals in den Setzereien vorhanden waren. Das allein aber wäre kein Grund. Entscheidend ist: Wie sieht der Titel aus, wie sehen die vier Buchstaben b i l l und das Komma , in der Schrift aus.

Texte sind der Rohstoff.Von der Rechtschreibung bis zum richtigen Tonfall und richtigen Auszeichnungen hat alles Bedeutung. Der Typograf sollte sich an dem scharfen Blick von Brigitte Grunert messen, die jede Woche in ihrer Kolumne ›Auf Deutsch gesagt‹ in der Sonntagsausgabe des Tagespiegel 26 die Sprache der Politiker aufs Korn nimmt. Etwa die Missachtung von Singularetantum und Pluraletantum. Es gibt keine »Handlungsbedarfe«, sondern nur einen Handlungsbedarf. Genauso wenig gibt es ein »Elter« für ein Elternteil. Aber das gilt nicht nur für die Sprache der Politiker. Auch im Ganzen ist eine Tageszeitung wie der Tagesspiegel eine gute Schulung – auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung oder BILD, wenn man Abstand halten kann. Das Blatt mit den großen Buchstaben macht jeden Tag vor, was Typografie leisten kann. Geht man davon aus, dass Typografie den jeweiligen Interessen dienen und Wirkung zeigen soll, ist BILD hervorragende Typografie. Denn Typografie ist kein Selbstzweck.

Satztechnik ist das Handwerk.Die Bauhäusler konnten sich auf die Setzer verlassen. Heute gibt es diese Kompetenz nicht mehr. Der Gestalter muss (müsste) alles beherrschen. Das ist nicht endlich. Ich musste bei einem Projekt vor ein paar Wochen lernen, dass ich Jahre lang Auslassungen im Englischen falsch gesetzt habe. Aber keiner der Autoren und Auftraggeber hat es je kritisiert, bis ich auf die New Yorker Filmkünstlerin Jenny Perlin traf. Sie hat mir kategorisch das verstaubte Chicago Manual of Style vor die Nase gehalten einschließlich Korrekturzeichen, worauf ich mit Robert Bringhurst: The Elements of Typographic Style, version 2.5, geantwortet habe. Hermann Zapf hat über dieses Buch gesagt: »I wish to see this book become the Typographers’ Bible.«

Typografie ist mehr als Text, den man lesen kann.Typografie ist die Kunst, Sprache in eine dauerhafte visuelle Form zu bringen mit allem, was zum Sprechen gehört: Rhythmus, Ton, Lautstärke, Duktus, Klangfarbe – bis hin zur Körpersprache. Alles das lässt sich mit typografischen Mitteln darstellen. Das gilt für ruhende und bewegte Sichtfelder, Print und Screen. So wie Architektur mehr als ein Dach über dem Kopf ist. Typografie und Architektur schaffen begreifbare, sinnliche Formen. Sie helfen, Komplexität zu reduzieren und die Welt genießbar zu machen.

»Nur eine Idee hat die Kraft, sich so weit zu verbreiten.«
Mies van der Rohe
.
.
.
© Prof. Gerd Fleischmann 2006
© Dieter Telfser 2005 typografie - lernen vom bauhaus (application/pdf, 1,457 KB)

Prof. Gerd Fleischmann im Rahmen der Sommerakademie der Kunsthalle Bielefeld parallel zu der Ausstellung Vom Bauhaus zur Neuen Welt. Josef Albers und László Moholy-Nagy, 25. Juni – 1. Oktober 2006

... Link (0 comments) ... Comment


Splitted Minds! — Erinnerungskultur als Versuch, Teile der Vergangenheit im Bewusstsein zu halten, um gezielter damit zu gestalten. — »Wir haben Brücke zu sein« meint Jakob Kaiser. — Sein Enkel Marcel gibt bildwerdende Gedanken zum Thema Vorstellungskraft in seinen interdisziplinären Windungen. — Etwas mehr als bürgerliche Sentimentalität!
© Dieter Telfser 2006 — © Marcel Albert 2006 — Jakob Kaiser gehörte neben Konrad Adenauer und Kurt Schumacher zu den herausragenden Politikern der Nachkriegszeit. Er wurde am 8. Februar 1888 in Hammelburg geboren. Nach Buchbinderlehre und Mitgliedschaft im Kolping-Verein wurde er ein bekannter Politiker der Weimarer Republik: seit April 1924 war er Landesgeschäftsführer der Christlichen Gewerkschaften für das Rheinland und Westfalen, seit 1928 auch Mitglied des geschäftsführenden Reichsvorstandes der Deutschen Zentrumspartei und bis 1933 Reichstagsabgeordneter. — Als ehemals führender christlicher Gewerkschafter knüpft Kaiser im Widerstand enge Verbindungen zu Wilhelm Leuschner und Max Habermann. Um ihn sammeln sich Regimegegner, die enge Kontakte zu Carl Goerdeler haben. 1938 mehrmonatige Haft wegen Verdachts des Hoch- und Landesverrats. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wird Jakob Kaiser von der Gestapo gesucht. Er taucht unter und überlebt in einem Kellerversteck in Potsdam-Babelsberg, während seiner Tochter Maria in Berlin ebenfalls versteckt lebt. Seine Frau Therese wird mit der zweiten Tochter Elisabeth im Rahmen der Sippenhaft von den Nazis nach Buchenwald deportiert.— 1945 gehört Jakob Kaiser zu den Mitbegründern der Christlich-Demokratischen Union und übernimmt deren Vorsitz für Berlin und die sowjetische Besatzungszone. Er war Mitglied des Vorbereitenden Gewerkschaftsausschusses Groß-Berlin und 1946/47 des FDGB-Bundesvorstands sowie des Landesvorstands Groß-Berlin. Im Dezember 1947 erfolgt durch die sowjetische Besatzungsmacht seine Absetzung, da er sich gegen die »Blockpolitik« und die Teilnahme der Ost-CDU am 1. Deutschen Volkskongreß ausgesprochen hatte.— Von 1946 bis 1949 gehört Kaiser der Berliner Stadtverordnetenversammlung an und vertritt die Stadt im Parlamentarischen Rat in Bonn. 1949 wird Jakob Kaiser als Abgeordneter der CDU in den ersten Bundestag gewählt und zum Minister für Gesamtdeutsche Fragen berufen. Zehn Jahre – zwischen 1948 und 1958 – arbeitet er als Vorsitzender der Sozialausschüsse in der CDU. Jakob Kaiser stirbt am 7. Mai 1961 in Berlin. — Kurzbiografie zitiert von www.jakob-kaiser.de
Der Kulturbetrieb misstraut unserem Gedächtnis. — Er neigt nicht immer zur Wahrheit, aber immer zur Aufbewahrung und musealisiert die Welt. Dem Kunsthistorischen stellt er am Wiener Marie-Theresien-Platz ein ebenso großes Naturhistorisches Museum gegenüber. Nicht weit entfernt liegen das erst 1954-59 gebaute Wien Museum und das Museum für Angewandte Kunst. Riesig, aber etwas aus der Mode gekommen ist das einzigartige Heeresgeschichtliche Museum. Zu den kleineren Häusern Wiens gehören das Bestattungs-, das Blinden-, das Fiaker-, das Film-, das Globen-, das Kriminal-, das Prater-, das Rauchfangkehrer-, das Sisi-, das Uhren- und das Pathologisch-Anatomische Museum. Anderswo findet man Museen für den Alltag, für Architektur, Bergbau, die Bibel, Binnenschiffahrt, Brauerei, Buchdruck, Eisenbahnen, Erotik, Frauen, Glas, Glocken, Homosexualität, Karneval, Krippen, Luft- und Raumfahrt, Möbel, Mode, Orden, Ostereier, Papier, Peitschen, Post, Puppen, Sandstein, Spielzeug, Sport, Theater, Tourismus, Traktoren, Weinbau, Yachten und Zucker.

Der Deutsche Museumsbund nutzt seine Homepage, um Ethik, nach dem ICOM-Code, und Standards für Museen vorzustellen. Dagegen verrät er nicht, wieviele Institutionen ihm angeschlossen sind. Ein Internet-Verzeichnis deutscher Museen befindet sich im Aufbau. Beeindruckend sind die Museumslisten bei Wikipedia. Das »Fachportal für Geschichte« Clio-online verzeichnet in der Rubrik Museen 766 Häuser vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum. Was höchstens noch fehlt, so könnte man meinen, ist ein Museum der Museen. Wer will, darf darin ein Zeichen mangelnder Selbstreflexion sehen.

Alles scheint der Erinnerung wert. Nichts darf vergessen werden. Kaum war 1961 die Berliner Mauer gebaut worden, da eröffnete man in einer Zweieinhalbzimmerwohnung an der Bernauer Straße 1962 das zunächst sehr bescheidene Mauermuseum, das ein Jahr später an den Checkpoint Charlie verlegt wurde. 1989 pulverisierte sich die Mauer. Die Berliner wollten sich auch von den letzten Erinnerungen an ihre Trennung befreien. Das Mauermuseum besteht jedoch noch immer und ist besser besucht denn je.

Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung. — Dieses stets verkürzt zitierte, Rabbi Baal Shem Tov [1698-1760] zugeschriebene Wort ist den Deutschen zum Credo geworden. Eine religiöse Färbung ist ihrer Erinnerungskultur nicht fremd. Es handelt sich jedoch um eine manichäische Religiösität: Erinnern ist gut, vergessen ganz schlecht. Man bedenke jedoch: Die Fähigkeit des Menschen, zu vergessen, ist größer als sein Erinnerungsvermögen. Wir vergessen mehr als wir behalten. Vergesslichkeit, unsere eigentliche Stärke, gilt als die illegitime, gern verschwiegene Halbschwester der Erinnerung. Familiärer Friede und versöhntes Dasein aber scheinen nur möglich, wenn es gelänge, die Abstände zwischen unseren Erinnerungsorten nicht als unwirtliches Nomansland wahrzunehmen, sondern als Freiräume. In Freiräumen ist es möglich, sich zu bewegen. Vergessen entzieht sich der Diskussion, da seine Inhalte, einmal bewusst gemacht, nicht mehr vergessen sind. So gehört das Vergessene dem Ungewussten an. Und nur in dessen Tohuwabohu ist es möglich, kreativ zu sein. Longtemps je me suis couché de bonne heure ...
© Marcel Albert 2006 — Jakob Kaiser gehörte neben Konrad Adenauer und Kurt Schumacher zu den herausragenden Politikern der Nachkriegszeit. Er wurde am 8. Februar 1888 in Hammelburg geboren. Nach Buchbinderlehre und Mitgliedschaft im Kolping-Verein wurde er ein bekannter Politiker der Weimarer Republik: seit April 1924 war er Landesgeschäftsführer der Christlichen Gewerkschaften für das Rheinland und Westfalen, seit 1928 auch Mitglied des geschäftsführenden Reichsvorstandes der Deutschen Zentrumspartei und bis 1933 Reichstagsabgeordneter. — Als ehemals führender christlicher Gewerkschafter knüpft Kaiser im Widerstand enge Verbindungen zu Wilhelm Leuschner und Max Habermann. Um ihn sammeln sich Regimegegner, die enge Kontakte zu Carl Goerdeler haben. 1938 mehrmonatige Haft wegen Verdachts des Hoch- und Landesverrats. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wird Jakob Kaiser von der Gestapo gesucht. Er taucht unter und überlebt in einem Kellerversteck in Potsdam-Babelsberg, während seiner Tochter Maria in Berlin ebenfalls versteckt lebt. Seine Frau Therese wird mit der zweiten Tochter Elisabeth im Rahmen der Sippenhaft von den Nazis nach Buchenwald deportiert.— 1945 gehört Jakob Kaiser zu den Mitbegründern der Christlich-Demokratischen Union und übernimmt deren Vorsitz für Berlin und die sowjetische Besatzungszone. Er war Mitglied des Vorbereitenden Gewerkschaftsausschusses Groß-Berlin und 1946/47 des FDGB-Bundesvorstands sowie des Landesvorstands Groß-Berlin. Im Dezember 1947 erfolgt durch die sowjetische Besatzungsmacht seine Absetzung, da er sich gegen die »Blockpolitik« und die Teilnahme der Ost-CDU am 1. Deutschen Volkskongreß ausgesprochen hatte.— Von 1946 bis 1949 gehört Kaiser der Berliner Stadtverordnetenversammlung an und vertritt die Stadt im Parlamentarischen Rat in Bonn. 1949 wird Jakob Kaiser als Abgeordneter der CDU in den ersten Bundestag gewählt und zum Minister für Gesamtdeutsche Fragen berufen. Zehn Jahre – zwischen 1948 und 1958 – arbeitet er als Vorsitzender der Sozialausschüsse in der CDU. Jakob Kaiser stirbt am 7. Mai 1961 in Berlin. — Kurzbiografie zitiert von www.jakob-kaiser.de
Als die Deutschen aus ihrem Schlaf erwachten, beschlossen sie 1991, Berlin wieder zu ihrer Hauptstadt zu machen. Das löste in der Spreemetropole einen Bauboom aus. Norman Forster stülpte über den in den 60er Jahren zum Flachbau degradierten Reichstag eine Glaskuppel, Axel Schultes errichtete sein Kanzleramt, allenthalben entstanden Behörden und Shoppingmalls. Der Bundestag benötigte nicht nur einen Kindergarten, sondern auch Arbeitsräume für seine mehr als 600 Abgeordneten und ihre Mitarbeiter. Nördlich und östlich des Reichstags ließ er von den renommiertesten Architekten des Landes drei gigantische Bürokomplexe anlegen.

Noch während der Bauphase beschloß der Ältestenrat 1997, die Gebäude nach angesehenen Parlamentariern zu benennen. Auswahlkriterium sollte sein, dass sie sowohl in der Weimarer Republik Mitglied des Reichstags wie in der Bundesrepublik Deutschland Mitglied des Bundestags gewesen waren und zudem als Gegner der totalitären Regime bekannt geworden sind. Damit konnten Politiker der Grünen und der Postkommunisten nicht zum Zuge kommen. Nun erinnert das Paul-Löbe-Haus an einen Sozialdemokraten, das Marie-Elisabeth Lüders-Haus an eine Liberale und das Jakob-Kaiser-Haus an einen Christdemokraten.

Der Gewerkschafter Jakob Kaiser war 1933 für den linken Flügel der katholischen Zentrumspartei in den Reichstag gewählt worden. Nach Hitlers Machtergreifung ging er in den Untergrund und beteiligte sich maßgeblich an den Vorbereitungen zum Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Im Mai 1945 gehörte er in Berlin zu den Mitbegründern der CDU. Zwei Jahre lang führte er die CDU in der Sowjetischen Besatzungszone, bis ihn die Militäradministration 1947 absetzte. Jakob Kaiser ging nach Westdeutschland. Zweimal wurde er in den Bundestag gewählt. Von 1949 bis 1957 leitete er das Bonner Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen. In diesem Amt stand er - anders als sein Parteifreund Adenauer - für eine aktive Deutschlandpolitik. Nach seinem Rückzug aus der Politik starb er am 7. Mai 1961. Bei seinem Staatsbegräbnis, das die politische Elite Westdeutschlands in seltener politischer Ökumene in Berlin versammelte, läutete die Freiheitsglocke des Schöneberger Rathauses.
© Marcel Albert 2006 — Jakob Kaiser gehörte neben Konrad Adenauer und Kurt Schumacher zu den herausragenden Politikern der Nachkriegszeit. Er wurde am 8. Februar 1888 in Hammelburg geboren. Nach Buchbinderlehre und Mitgliedschaft im Kolping-Verein wurde er ein bekannter Politiker der Weimarer Republik: seit April 1924 war er Landesgeschäftsführer der Christlichen Gewerkschaften für das Rheinland und Westfalen, seit 1928 auch Mitglied des geschäftsführenden Reichsvorstandes der Deutschen Zentrumspartei und bis 1933 Reichstagsabgeordneter. — Als ehemals führender christlicher Gewerkschafter knüpft Kaiser im Widerstand enge Verbindungen zu Wilhelm Leuschner und Max Habermann. Um ihn sammeln sich Regimegegner, die enge Kontakte zu Carl Goerdeler haben. 1938 mehrmonatige Haft wegen Verdachts des Hoch- und Landesverrats. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wird Jakob Kaiser von der Gestapo gesucht. Er taucht unter und überlebt in einem Kellerversteck in Potsdam-Babelsberg, während seiner Tochter Maria in Berlin ebenfalls versteckt lebt. Seine Frau Therese wird mit der zweiten Tochter Elisabeth im Rahmen der Sippenhaft von den Nazis nach Buchenwald deportiert.— 1945 gehört Jakob Kaiser zu den Mitbegründern der Christlich-Demokratischen Union und übernimmt deren Vorsitz für Berlin und die sowjetische Besatzungszone. Er war Mitglied des Vorbereitenden Gewerkschaftsausschusses Groß-Berlin und 1946/47 des FDGB-Bundesvorstands sowie des Landesvorstands Groß-Berlin. Im Dezember 1947 erfolgt durch die sowjetische Besatzungsmacht seine Absetzung, da er sich gegen die »Blockpolitik« und die Teilnahme der Ost-CDU am 1. Deutschen Volkskongreß ausgesprochen hatte.— Von 1946 bis 1949 gehört Kaiser der Berliner Stadtverordnetenversammlung an und vertritt die Stadt im Parlamentarischen Rat in Bonn. 1949 wird Jakob Kaiser als Abgeordneter der CDU in den ersten Bundestag gewählt und zum Minister für Gesamtdeutsche Fragen berufen. Zehn Jahre – zwischen 1948 und 1958 – arbeitet er als Vorsitzender der Sozialausschüsse in der CDU. Jakob Kaiser stirbt am 7. Mai 1961 in Berlin. — Kurzbiografie zitiert von www.jakob-kaiser.de
Später geriet Kaiser immer mehr in Vergessenheit. —Anstrengungen, ihn zu seinem hundertsten Geburtstag 1988 in der Öffentlichkeit wieder bekannt zu machen, führten zwar zu Sonntagsreden und zwei dickleibigen Publikationen, nicht aber zum Erfolg. Bundeskanzler Kohl meinte beim Festakt in Bonn, »daß sich das Wiedervereinigungsgebot, wie es in der Präambel des Grundgesetzes niedergelegt ist, möglicherweise erst in Generationen erfüllen läßt.« Egon Bahr SPD dagegen schrieb am 2. November 1988 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: »die deutsche Wiedervereinigung, wie ... Jakob Kaiser sie dachte, ist tot. Daß sie vordringlichste Aufgabe bleibt, wie eben das Programm der Union gegen besseren Rat noch einmal formuliert hat, ist geschichtslose Heuchelei.«

Kohl war ein schlechter Prophet und Bahr täuschte sich. — Zwei Jahre später kam die Wiedervereinigung. Jakob Kaiser erlebte eine Renaissance. Im Jakob Kaiser-Haus [ca. 53.000 m2 Hauptnutzfläche, mehr als 2000 Räume] des Bundestags steht an prominenter Stelle Alexander Gondas Kaiser-Büste. Eines der eindrucksvollsten Kunstwerke im Bundestag aber ist vielleicht das »Archiv der Deutschen Abgeordneten« Christian Boltanskis im Reichstagsgebäude. Dieses symbolische Archiv besteht aus ungefähr 5000 leeren Metallkästen. Sie sind in alphabetischer Reihenfolge mit den Namen aller Abgeordneten beschriftet, die von 1919 bis 1999 demokratisch ins Parlament gewählt wurden. Nach einigem Suchen findet man dort auch den Namen Jakob Kaiser.

Boltanskis Œuvre macht nachdenklich. — Stehen die leeren Kästen ungeachtet der Personen, an die sie erinnern sollen, nicht doch für eine inhaltsleere Politik? Scheuten Boltanskis Auftraggeber die Auseinandersetzung mit den Anliegen ihrer Vorgänger? Wollten sie eine nur ästhetische Aneignung der Geschichte?

Wer solchen Fragen nachgeht, scheut den Weg in die hervorragende Bundestagsbibliothek.Durstig verläßt man den Bundestag. Jenseits der Spree leuchtet an einer Hausfassade in großen Lettern: »Ständige Vertretung«. Zwei Bonner Gastronomen haben hier nach dem Regierungsumzug 1997 eine kölsche Kneipe eröffnet, sozusagen die ständige Vertretung des Rheinlands in Berlin. Bewusst suchten die beiden Wirte die Nähe zur Politik und den Medien. Im Inneren ist ihr Lokal mit vielen Photos und Erinnerungen an das politische Leben Deutschlands ausgestattet. Dort hängt auch der originale Abgeordnetensessel Jakob Kaisers aus dem ersten Deutschen Bundestag. In diesem immer gut gefüllten Lokal ist die Erinnerung an Kaiser mitten im Leben angekommen. Aber auch hier wirft der leere Stuhl Jakob Kaisers augenzwinkernd die Frage auf, mit welchen Inhalten sein Andenken in Zukunft gefüllt werden kann. Vielleicht lässt sich das ja doch bei einem Glas Kölsch bereden.



© Marcel Albert 2006 © Dieter Telfser 2005 Jakob Kaiser

Dieser Text entstand als Anregung und nach einem Besuch Marcel Alberts bei Dieter Telfser im Mai 2006. Das Thema Erinnerungskultur entgleitet der visuellen genauso wie der politischen Zunft. Aus einem Austausch über die Ratlosigkeit, sozial verantwortliche Gestaltung der Bühne zu entheben, entstanden Querverweise und Parallelen, die zeitlosen Anspruch haben. So lange Politik in ihren vernetzten Zielgruppen genauso »standalone« gezeichnet wird, wie ihre umschatteten Archive, bleibt die Erinnerung als einer der wichtigsten Motoren für weiterführende und wirklich innovative Gestaltungsprinzipien.Quellenangabe: Erich Kosthorst, Jakob Kaiser. Der Arbeiterführer, Stuttgart u.a. 1967. — Elfriede Nebgen, Jakob Kaiser. Der Widerstandskämpfer, Stuttgart u.a. 1967.— Werner Conze, Jakob Kaiser. Politiker zwischen Ost und West, 1945-1949, Stuttgart u.a. 1969.— Erich Kosthorst, Jakob Kaiser. Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen, 1949-1957, Stuttgart u.a. 1972.— Jakob Kaiser, Wir haben Brücke zu sein. Reden, Äußerungen und Aufsätze zur Deutschlandpolitik, hg. von Christian Hacke, Köln 1988.— Jakob Kaiser, Gewerkschafter und Patriot. Eine Werkauswahl, hg. von Tilman Mayer, Köln 1988.— Jens Liebchen - Andreas Kaernbach, Politik und Kunst - Kunst und Politik. Künstler und Ihre Werke im Reichstagsgebäude. Fotografien, Berlin 2004.— Franz-Josef Antwerpes - Friedhelm Julius Beucher (Hg.), Die Ständige Vertretung. Kneipe, Kölsch & Politik, Berlin 2001.

... Link (1 comment) ... Comment


© Dieter Telfser 2010 — Telfser.com > Reteid Resflet*10 Open Sources — Ein Netzwerk für mehr Bewegkraft in der Gestaltung! — Mehr Kante, weniger Business für mehr Zufriedenheit miteinander und füreinander!
Online for 2195 days
Last update: 4. marzo, 07:21
status
Youre not logged in ... Login
menu
... Home
search
calendar
marzo 2010
lunmarmergiovensabdom
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031
febbraio
recent updates
Help that Fits! — Chris Lohner im Gespräch über »passendes« Fundraising als Good Will Ambassador...
by dieter (4. marzo, 07:21)
Assimilation als iDModell. – Erstaunlich wenig Neues, bemerkenswert vieles an Leidenschaft darüber. Waren Bilder noch...
by dieter (28. febbraio, 15:25)
Martius 1st – World Visual Engineering Day – Standing the points to see visual behavior...
by dieter (16. febbraio, 12:29)
Vision Competence Center Hartmann Wien — Modell 900 ist eine Erfahrung mit Geschichte. Im Grunde...
by dieter (3. gennaio, 12:05)
All my true wishes for a Brave New Year, within this Orbit here. Macht...
by dieter (16. dicembre, 09:35)
Apples Garden of Pure Ideology! — On January 24th, Apple Computer has introduced Macintosh. In...
by dieter (23. ottobre, 20:44)
Der Moment des Wahrnehmes ist, so betrachtet, das Aufblitzen des transnormativ »Guten.« – Es...
by dieter (18. ottobre, 13:02)
Wieso hat man ständig das Gefühl Sie wollen uns Ihre wahre Geschichte bzw. Herkunft...
by dieter (11. ottobre, 15:44)
On Bullshit. — Prof. Harry Gordon Frankfurt schreibt über gesprochenen und wörtlich gedruckten Bullshit. Das...
by dieter (11. ottobre, 13:20)
Ihre Haltung zu Fotografie ist mehr als auffällig. Sie zieren sich wie eine Filmdiva...
by dieter (9. ottobre, 12:15)

XML version of this page

Made with Antville