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Sex Smells! — Flüssige Quadraturen im Kreise als Gommage für Persönlichkeiten mit der ein oder anderen Schwäche für das Wesentliche im Leben. Über die Zelebrierung des Immune Deficiency Syndroms.
dieter
07:57h
![]() Er ist ein kugelförmiger »Bazillus« mit etwa 100nm Durchmesser und gehört zur Familie der Retroviren. Zur Vermehrung benötigt er meistens Körperzellen, die den CD4-Rezeptor auf der Oberfläche tragen, da das Oberflächenprotein gp120 des HIV eine Bindung mit den CD4-Rezeptoren eingehen kann. Das sind vor allem die CD4-tragenden T-Lymphozyten [T4-Zellen], die beim Menschen für die Antikörperbildung zuständig sind. Er baut zur Vermehrung sein RNA-Genom in DNA-Form in das Genom der Wirtszelle ein [Endogene retrovirale Genome], wodurch diese beginnt Virus-Protein und vom Virus benötigte Enzym zu produzieren. Mein Gefühl sagt mir, HIV ist männlich, schon allein wegen seiner zentral angelegten Wandlungsfähigkeit und autonomen Intelligenz. Schaut man sich Zellen genauer an, kommt man recht schnell dahinter, dass der rein chemische Vorgang zwar minutiös und auch plausibel erklärbar scheint, nicht jedoch die scheinbar autonome Intelligenz der Bildungsformen von Proteinen und der damit verbundenen genetischen Informationen, die ja einen ausschlaggebenden Part beim Akt der Fortbildung selbst spielen. Dass es für die Bildung eines Syndroms immer mehrere Faktoren, Menschen oder chemische Stoffe braucht, ist ja nichts Neues; sehr wohl aber die Behauptung, den in einem Krankheitsbild zusammengefassten Komplex mit gleichen rückführenden Entstehungstechniken behandeln zu wollen. Da Krankheitssymptome meistens die am vehementesten einfordernden Erinnerer für eine gestörte Interaktion mit unserer Gesellschaft und teilweise auch Ärzteschaft sind, müssen wir unbedingt einen zumindest sozial aufrechten Dialog mit den komplexen Auswirkungen suchen. Das passiert im Falle von Immune Deficiency und dessen humaner Penetranz sehr populär, denn schließlich war und bleibt der Auslöser hierfür unhygienische Sexualität, egal ob [Homo] [Hetero] [Trans] [Inter] [Bi] [Metro] [Objekt] [Auto] [A] [Hyper], ohne die anderen Kontaktmöglichkeiten vergessen zu wollen. Es scheint also fast so, als würden wir uns gerade recht deutlich die Frage stellen, warum wer mit wem und wie sich welchen Körperöffnungen widmen sollte. Zumindest tun das 40.000.000 Menschen auf unserem Planten, welche die 100nm große Frage in sich nicht wirklich »positiv« beantworten können. Elsa Schiaparelli lieferte die »schockierende« Idee für die Marke Ribbon und so lernen wir seit geraumer Zeit über verschiedene Tochterinstitutionen, wie viel menschlicher und gesünder diese Welt noch werden muss. Die Schleife als persönliches Schmuckstück für mehr Solidarität mit den Schwächeren, weil unlösbar »infizierten« Mitmenschen unter uns. Seitdem staunen wir über Zahlen und bunte Formen der Darbietung des Social Fund Raisings, weil es Einzelschicksale nicht mehr schaffen können, mit der autoimmunen Krankheit umzugehen. Die Meinungen divergieren und rege diskutieren wir uns gut bestückt durch den Dschungel an medizinischer Realität und einer völlig neuen Disziplin: Jagen durch Sammeln für mehr Jäger unter uns. Das Zelebrieren eines komplexen, unverständlichen, noch nicht gelösten Krankheitsbildes mit einem sozialen Spiegel der Schwächeren und möglicherweise Stärkeren, die den Schwachen ihre Stärke und Freude am Leben wieder zurück geben, birgt einen »großen« Gedanken in sich. Es ist das Wissen in Form von Macht über einen anderen Menschen zu entscheiden, welches wir als essentielles Mittel zur Lösung des Problems zu suchen scheinen. Gäbe es die erlösende Gralle, hätten wir totale Hygienefreiheit in wohl allen Belangen und müssten uns nicht grämen über die Konsequenzen und Folgen von Praxis und Technik jener Schwäche, die dann plötzlich keine mehr wäre. Wir könnten uns verteidigen und immer stark sein, ohne unser Immunsystem mit der Basisinformation, die wir gerne von uns lassen, zu bemüßigen. Der reine Sex, der reinen Liebe willen für mehr Entlastung im sowieso von Natur aus autonomen Immunsystem. Kurz: wir bräuchten dann plötzlich alle nur mehr Liebeleben, ohne uns um unsere Identitäts- und Persönlichkeitsmutationen und deren sozialen Status persönlich kümmern zu müssen. Europa mit seinen viktorianischen Kontinenten würde sich von all zu gesunden Selbstbildnissen relativ schnell langweilen, denn es gäbe wohl kaum mehr jene Herausforderungen des kulturell wissenschaftlichen Bezwingens anderer Kulturen. Wir müssten uns ergeben! Den Gedanken, den Gerüchen und all den sich ständig wandelnden Geschmäckern, die mit der persönlichen Identität zu tun haben. Sex würde plötzlich riechen und wir müssten erneut Religionen und Wachstumsraten gegen das Bruttoinlandsprodukt zu unserer eigenen wahrgenommen Realität messen. Es würde dann wohl »Sieben« heißen, und wir würden Sieben zur Öffnung von Kanälen universeller Natur nutzen, die sich so oder so ständig selbst reflektieren. Das Okkulte am Vorgang der Bemächtigung würde zu einem Aneinanderstreifen von MHC-Komplexen und DNA-Knäuel ganz neue Texturen ergeben, mit denen in Wirklichkeit schon längst am Leben experimentiert wird. Das Zeitgefühl müsste nicht mehr strukturiert, als vielmehr bebildert werden, damit wir uns daran erhitzen. Was die meisten bei der Humanen Immunsystem Verteidigung nicht angehen wollen, ist, dass das zu Rate gezogene Syndrom, der best zitierte Aufruf zur Veränderung humaner Natur ist. Es bleibt ein unwiderstehlicher Lockruf für die Weiterentwicklung der Spezies mit seiner einzig auszeichnenden Individualität. . . . © Dieter Telfser 2007 PA-457 in Trial Status. — CleanUp your HIV blood within hours! An animation showing bevirimat's mechanism of action can be found here: Bevirimat is the first in a new class of HIV drugs called Maturation Inhibitors. Bevirimat blocks HIV maturation by inhibiting the final step in the processing of the HIV Gag protein. The resulting virus particles are structurally defective and are incapable of spreading infection around the body. The mechanism of action of bevirimat is described in a November 2003 publication in the journal Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (Li et al., Proc. Natl. Acad. Sci. USA, 100, 13555-13560 (2003)). ... Link (0 comments) ... Comment
HolySoma! — Wackere neue Welt. Schmutzigkeiten Exklusive. Weit hergeleiteter Stoffwechsel in seinem gehässigen Kontext zueinander. Enthemmt, Verklemmendes für eine handvoll schwindliger Kontrollfreaks. — Wenn der wirtschaftliche Zwang zur visuellen Geborgenheit in seiner Kompensation wird, und sich das Portrait im Grunde nicht mehr verwerten lässt. — Also für mich, bin ich das!
dieter
06:52h
![]() Soma nimmt an von seinem Körper herzuleiten. — Die Begriffe um das Thema sind so vielfältig wie kryptisch. Die Hauptwerke dazu so utopisch wie verdrängt real. Inspiriert von Joyce McDougall’s: »Theater der Seele«, »Theater des Körpers« und »Plädoyer für eine gewisse Anormalität« fielen mir verdächtig viele Querverbindungen zu ideenlosen politischen, aber auch wirtschaftlichen Konzepten der heutigen Zeit auf. Auch das sich selbst in die Wege leitende Modell von »Basiskraft« oder gar hierarchischer Schubumkehr bekam eine völlig andere Dimension in meiner Denke. — Daher fällt es auch schwer diesen Beitrag nicht persönlich zu halten. Meine Erfahrung mit Somatik liegt also in ihrer »Fürwahrnehmung« und erzeichnenden Erkenntnis. Ebenso aus dem Unverständnis, neuronale Inkompetenz im zwischenmenschlichen nicht hinnehmen zu werden. Obwohl ich mich in »offener Milde« übe, dazu immer schärfere Speisen esse, zeigt heutige Druckumwälzung ein sehr einfältiges Bild von Vorsprung durch Macht. Das Medienbild verschiebt sich eindeutig nach unten, und so fällt auch so ein »Log« wie dieses eher in die weniger schwer zu nehmende Richtung. Dies zumal Unternehmen, die deckendere Kommunikation vertreiben, gut und gerne mit ihren Hüften zu kämpfen haben. »HolySoma« entstand als Idee den Begriff »Weihnachten« von seiner nächtlichen Gnade zu entheben. Die Lust aus dem Wunsch zur Abstraktion, Vervielfärbung von Inhalten, die teilweise ja sehr persönlich, also auf einer anderen als nur zentralen Bühne spielen. Das bedingt, dass die Auseinandersetzung mit so umfangreichen Themen wie Stabilität, Frieden und Freiheit eben sehr wenig mit Gentechnik zu tun haben. Obgleich die Härte zu sich selbst seine individuelle Zerstörung impliziert, möchte ich dazu beitragen, die eigene Verantwortung für das Handeln weniger über den Körper zu komplizieren. Wenn der Traum die Geschichte belegt, und die Zukunft eine Art Wunsch, als nur zu visualisierendes Motivationsmodell, harter Realität gegenübersteht, bleibt Musik als einzig verständliche Sprache, in der Vermittlung übrig. Die Umschichtung von Formaten in seiner Übertragung deutet zwar erneut darauf hin, dass Freiheit zentral gestaltet werden will, reduziert sich aber gleichzeitig auf sein digitales Format. Es ist also nur eine Frage von Zeit, bis es sich erschöpft, neu entwickeln will. Moderne Somatik beschreibt also ihre Entschlüsselung unter ganz viralen kommerziellen Vorgaben: Negotiation, oder die Art sich »effizient« zu denken, reduziert sich auf seine parallelste Schnittstelle: Dopamin, eine Biosynthese von Adrenalin via Tyrosin. HolySoma ist also am virtuellen Ort vorbei, weil das räumliche Empfinden dem geistigen nachgereicht werden muss. Geschichtlicher Bezug wird mit jenen Bildern gegen gekoppelt, die sich in ihrer Lust erfüllen sollen. Kompensation wird zu einem graduierten Volkserlebnis, welches, je nach Symptomatik, empfindbar oder nur sichtbar werden soll. Ganz entgegen dem menschlichen Verständnis von »Ganz-« und »Glanzheit« sind entkörperlichte Modelle von Fitness jene, welche das Jagderlebnis wirklich garantieren. Es verschieben sich historische Modelle von »Güte« zu »Gut« und »Blösse« zu »Böse«. Die Verankerung erleben viele, seit wir uns von »NewAge«-Visionen zu erholen scheinen, auch als natürlich, wenn nicht gar nachhaltig »biologisch«. Entgegen der Meinung »Denken Hilft«, bleibt gerade deshalb immer weniger zu Essen für andere übrig. Wenn der Vorteil körperlich portierbares Wissen sein soll, ist der Mensch tatsächlich überflüssig, und wie es ausschaut arbeiten einige sehr hart daran, persönliche Modelle hiernach anzupassen. Irgendwie gehen heutigen »Wilden« die Labors aus, und so bleibt gut und gerne nur ihr globaler, wenn nicht gar übereifrig aggressiv wirkungsvoller Protest. Selten erlauben jene himmlisch abgeleiteten Absichten korrekte Bilanzierung für die allgemeine Zahlenschulung zum Kreislauf. — Auch habe ich den Eindruck, die Psychoanalyse hat in ihren dokumentierten Erkenntnissen zu viel an Waffen für jene entscheidenden Strategen geliefert. ![]() Das enthemmende Moment, also jener Zeitpunkt gripscher Desinhibition, welcher zu Beginn zu aktivieren scheint, öffnet immer weniger »The Doors of Perception« für jene, die ungern über ihre eigenen Klangteppiche fallen wollen. Eigentlich ist es gar nicht schlecht in dieser neuen, alten Welt. Gelernt wird im Schlaf, die Verantwortung für das eigene Leben ist nur teilweise real und persönlich bezogen. Also ganz 2007, würde ich sagen. Hier ein Auszug: The Mesa was like a ship becalmed in a strait of lion-coloured dust. The channel wound between precipitous banks, and slanting from one wall to the other across the valley ran a streak of green-the river and its fields. On the prow of that stone ship in the centre of the strait, and seemingly a part of it, a shaped and geometrical outcrop of the naked rock, stood the pueblo of Malpais. Block above block, each story smaller than the one below, the tall houses rose like stepped and amputated pyramids into the blue sky. At their feet lay a straggle of low buildings, a criss-cross of walls; and on three sides the precipices fell sheer into the plain. A few columns of smoke mounted perpendicularly into the windless air and were lost: Die Konstruktion eines todsicheren psychischen Systems verleiht dem »Ich« die Stärke einer computergesteuerten Ratte, welche zum unbesiegbaren Wächter des Seelenlebens wird — doch um den Preis von dessen inneren Tod. Ein lebendiger Kontakt mit anderen »muss« vermieden werden, da erst durch das System von Verleugnungen und Zurückweisungen versinnbildlicht werden kann, dass jeder andere den Tod bringen könnte, aber niemals man selbst. Das Dilemma: jede noch so normale Situation wird durch ihre »Andersartigkeit« als gefährlich, wenn nicht gar bedrohlich eingestuft. So bleibt vieles in gut behüteten dystopischen Fiktionen wohl eine unentflammte Vision von Warnsignalen über die Entwicklungen des gesellschaftlichen Gegenwarts- aber auch Zukunftsbildes. Wenn Psychosomatik als Reaktion und Mangel an Links dekliniert werden soll, dann steckt der Begriff sehr viel wahrscheinlicher in unseren unzureichenden Beobachtungen und Erkenntnissen fest. Dasselbe ließe sich auch von dem derzeitigen Persönlichkeitsbild sagen, welches wir zwar klinisch beobachten können, jedoch nicht auf die Gruppe selbst beschränkt sehen können. Auch ist dieser sehr theoretische Begriff wenig hilfreich bei der Klärung gesellschaftlicher Interaktionen und Zubringer. In der Geschichte des Individuums sollte der offenkundigen »Leere« eine aktivierendere Bedeutung zugewiesen werden, zumal die Erkenntnisse hieraus wissenschaftlichen Maßstäben mehr dienen, als der z.T. geheimnisvolle Denksprung zum mystischen und verheizten Fachbegriff. Die stärkste Form an Abneigung vor unergründetem und für andere nicht nachvollziehbarem Wissen, bleibt also ein Gefühl diesem Unwissen Herr zu werden. Gehässigkeit, ist also eine direkte Konsequenz von unbedingt ersonnener Freiheit und nicht ausreichend empfindbarem Gespür. Obgleich eine dualistische Duldung der beiden Realitäten immer zu einer Spannung führen muss, wird wenig zur Bildung in diesem Bereich beigetragen. Erstaunlich abstrakt gibt man Universalität an die Farbenlehre und Abnormalität an die Politik. Natürlich entsteht daraus bestenfalls Kunst oder eben Design. — Beides im Grunde unverkäuflich. — Aus Selbstschutz? — Sogar Erich Fromm unterscheidet in reaktivem und charakterbedingtem Hass, um einfachen Gedanken genügend Wohnfläche zu bieten. — Obgleich Hetzkampagnen heute zur Werbelehre gehören, kommt seine syntaktische Programmierung aus der Gasse: ![]() Penetranz bedingt immer seine Wiederholung, da ihr Duft aus Blut gewonnen werden muss. — Also für mich, bin meistens ich das! . . . © Dieter Telfser 2006 Leseliste | Quellenangabe: »Theater der Seele« — Illusion und Wahrheit auf der Bühne der Psychoanalyse — Joyce McDougall — Klett-Cotta Verlag | VIP — ISBN 3-608-95926-2 — »Plädoyer für eine gewisse Anormalität« — Joyce McDougall — Psychosozial-Verlag — ISBN 3-89806-113-2 — »Theater des Körpers« — Ein psychoanalytischer Ansatz für die psychosomatische Erkrankung — Joyce McDougall — Klett-Cotta Verlag | VIP — ISBN 3-608-95904-1 ... Link (0 comments) ... Comment
On Bullshit. — Prof. Harry Gordon Frankfurt schreibt über gesprochenen und wörtlich gedruckten Bullshit. Das ist nur die halbe Wahrheit. Der visuelle Bullshit, in dem wir täglich baden, stinkt noch viel mehr. In der deutschen Ausgabe des Traktätchens selbst sieht Prof. Gerd Fleischmann Bullshit. — Kühlt, erfrischt und hält wach!
dieter
06:42h
![]() In seiner launigen Analyse steckt viel, was auch Desktoptaster die Augen öffnet. Im Verlag hat man wohl die Typografie und die Kunst, schöne Bücher zu machen, an den Nagel gehängt. Über Formfehler, verschobene Inhalte und das gute Augenmaß in der Buchgestaltung. Hier einige Auszüge aus seiner Abhandlung, welche er uns freundlicherweise zum Download bereitstellt: Bullshit? — Als Buch, als körperliches Objekt, das wir mit Hand und Auge wahrnehmen, ist das kleine Artefakt (oder sollte ich ›Machwerk‹ schreiben?) sicher genau das, was Frankfurt so nennt: »[Die] Aussage gründet weder in der Überzeugung, dass sie wahr sei, noch in dem Glauben, dass sie falsch sei, wie es für eine Lüge erforderlich wäre. Gerade in dieser fehlenden Verbindung zur Wahrheit – in dieser Gleichgültigkeit gegenüber der Frage, wie die Dinge wirklich sind – liegt meines Erachtens das Wesen des Bullshits.« Der erste Eindruck ist ernüchternd, als ich das Büchlein sehe und in die Hand nehme: Schlechte Proportion, überzogener Auftritt in Leinen, ein Leichtgewicht, das der vornehm dunkelroten Aura nicht standhält. Innen ist der Text großspurig auf den dadurch noch kleiner wirkenden Seiten verteilt. Ich habe das Gefühl, da macht mir einer mächtig was vor – verstehe ich das richtig: Bullshit? Zurück zur Form. So wie es in der verbalen Kommunikation, auf die sich Frankfurt im Wesentlichen bezieht, Bullshit gibt, gibt es das auch in der visuellen Kommunikation – auch in typografischen Arbeiten, zu denen das Buch gehört. Vor allem aber in der Werbung, in der Bullshit Prinzip ist, da immer etwas angeboten werden muss, was wir nicht brauchen. »Auf dem Gebiet der Werbung und der Public Relations und dem heutzutage eng damit verbundenen Gebiet der Politik finden sich zahllose eindeutige Fälle von Bullshit, die als unbestreitbare und sogar klassische Beispiele dieses Genres gelten können.« Die Augen sehen anders als das Typomaß. — Ist schon 5 : 8 (1 : 1,600) eine schlechte Näherung an den Goldenen Schnitt, so »fällt [es] schwer, dies noch von der Proportion 2 : 3 zu behaupten«, wie Jan Tschichold in seinem Aufsatz ›Willkürfreie Maßverhältnisse der Buchseite und des Satzspiegels‹ schreibt. Zunehmend genauere Näherungen lassen sich aus der Fibonacci-Folge 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, ... ablesen, die nichts Anderes als den Goldenen Schnitt, die Stetige Teilung, darstellt: Jede Zahl ist die Summe der beiden vorausgehenden und verhält sich zur jeweils vorausgehenden annähernd so wie die folgende zu ihr selbst – die Näherung ist umso besser, je größer die Zahlen sind. In der Sprache der Geometrie bedeutet das: Ist eine Strecke im Goldenen Schnitt geteilt, so verhält sich der größere Abschnitt zum kleineren wie die gesamte Strecke zum größeren. Der klassische Satzspiegel eines Buches ist immer so angelegt, dass der Kopfsteg, der Raum oberhalb des Textblocks, deutlich schmaler ist als der Fußsteg, und auch schmaler als die Randstege außen. In Bullshit sitzt der Text auf der Seite wie die Rappermode bei den Kids, der Schritt auf Höhe der Knie. Ein typografisches Gegenbeispiel zu Bullshit ist die elegante Broschur von Robert Bringhurst: The Solid Form of Language. An Essay on Writing and Meaning. Kentville: Gasperau Press, 2004. Der Text über geschriebene und gedruckte Sprache im Gegensatz oder auch Verhältnis zur gesprochenen ist in radikalem Flattersatz gesetzt, ohne jegliche Trennung. Das geht einfacher im Englischen als im Deutschen, weil die Wörter in der Regel kürzer sind und dadurch nicht allzu große Löcher am Zeilenende entstehen. Der strukturierte Karton-Schutzumschlag mit Schöpfrand vorne und glattem Schnitt hinten und verhuschten Schriftzeichen (auch auf dem schwarzen Kartonumschlag) allerdings ist übertrieben kunstgewerblich. Schrift wird hier zu Tapete. Die romantische Ironie von Frankfurt im letzten Satz des Traktats teile ich nicht. Ich halte sie für Koketterie, reif für die Talkshow. Wäre Aufrichtigkeit Bullshit – welche Bedeutung, welche Funktion sollen Wörter, soll Sprache dann überhaupt noch haben? So schwierig ist die Sache offenbar doch nicht. . . . © Prof. Gerd Fleischmann 2006 Laura Penny: Your Call Is Important To Us. — The Truth About Bullshit. New York 2005 Lois Beckwith: The Dictionary Of Corporate Bullshit. New York 2006 PPS — Ex-DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp nannte die Konzernzentrale in Möhringen mit ihren zu eng beieinander stehenden Pavillons, die aussieht wie ein defizitäres, karamellfarbiges Großklinikum: »Bullshit Castle«. (Vgl. DIE ZEIT Nr. 13, 23. März 2006, S. 6: Was fiept denn da?) ... Link (1 comment) ... Comment
Profanitäten als Vorgartendünger! — Das Gegenstück zu Laissez Mentir der daherschwätzenden Klassen. Inspiriert von Harry Gordon Frankfurt’s »On Bullshit«, getragen von Rezensionisten, in den wissenschaftlichen Stand enthoben und wieder ausgeschieden. — Über den Britischen Kreislauf von Eremitäten, wenn sie aus dem Volk mitfluchen. — Freeforms as Necessity, as everyone has to know it?
dieter
07:49h
![]() Sensationelle Verkaufszahlen in einem Meer von Rezensionen begleiten den charismatischen Professor der Philosophie an der Princeton Universität. Sein 1986 erstverfasstes Papier »On Bullshit« fand 2005 zur englischen Buchausgabe. Er bringt eine Diskussion ins Rollen, die Wahrheit von Lüge in einer unwissentlich geschärften Volksdummheit zeigen soll, dass es jede Menge an Bullshit in unserer Gesellschaft gibt. Es ist nicht der erhobene Zeigefinger des Herrn, als vielmehr die sich autonom fortbewegende Leserzahl, die an dem Experiment teilnimmt und weiterhin Mist produziert, aber zumindest ehrlich darüber redet. — Das Buch ist beinahe eine Einladung, ohne Maulkorb daherzuplappern, ohne dem absoluten Wahrheitszwang, der zum perfekten Konstrukt Lüge wird, gerecht werden zu müssen. Die Disziplin lautet also »Laissez Mentir« und dient der Verwertbarkeit der Lügen als philosophisches Modell. So dürfen Schnellschüsse ruhig heiß gekocht werden, wenn sie dazu ein Bewusstsein mitbringen, welches tatsächlich volkstauglich ist. Die ganz konkrete Wahr- und Weisheit, nämlich die des manipulativen Aspekts des Lüge selbst, sieht Herr Frankfurt gelassen, zumal er gar nicht mehr darauf eingeht, ertrinkend im Meer der sich selbst »bebullshittenden« Gesellschaft. Er merkt es an, sitzt ruhig und gelassen da und gibt Interviews darüber, ständig stichelnd, dass Denken möglicherweise hilft, aber die Realität selbst wohl wenig dazu beimengt. Die, wie von einem Texteditor ausgedruckt wirkende, aber in Leinen gebundene Deutsche Fassung hebt den Kult-Charakter über den Ozean und hat lebensverändernden Anspruch an ein Phänomen, das seine neue Ernsthaftigkeit promoten soll. Nicht nur das Schriftstück selbst, sondern auch sein Hintergrund verleiten zu einem Britischen Vorgartenmodell, bedenkt man seine früheren Werke, die über die Cambridge Unversität [»The Importance of What We Care about« 1988 und »Necessity, Volition, and Love« 1999] ins öffentliche Licht fanden. Seine Zeit an der Oxford [1971-72] und Yale Unversität [1978-87] haben sicher maßgeblich dazu beigetragen seine Autorität und den typischen Vergleich des UK-Klassenmodells genauer unter die Lupe zu nehmen. So wirkt es für mich als Leser auch, wie einer Vaterfigur beim Tee zuzuhören. Was mir an dem Stück gefällt, ist sein Düngeeffekt [auf den ich noch sehr gespannt warte] und Harry Gordon Frankfurt’s Voraussicht, zumal das erste Script ja bereits 1986 erschien. Die unglaublich breite Massenakzeptanz und fast Verbrüderung mit den Inhalten klingt heute so, als hätte man nur darauf gewartet endlich einen wissenschaftlichen Nährboden hierfür nutzen zu können: die Princeton Universität, vielmehr, das 1746 gegründete »College of New Jersey«, stellt heute mit einem Kapitalstock von über zehn Milliarden US-Dollar die fünft-älteste Universität in den USA. Trotz einer relativ liberalen Zulassungspolitik, welche auch Kindern aus unteren Einkommensschichten ein Studium an der renommierten Universität ermöglicht, wird ein großer Teil der Studentenschaft von Kindern aus wohlhabenden Familien dort gebildet. — Wenn man so will, vermittelt »On Bullshit« zwischen den Klassen. Neben den vielen sich bereits manifestierenden Interpretationen des Begriffs »Bullshit«, wie beispielsweise Bullshit-Generatoren [das sind scherzhaft gemeinte Listen aus Phrasen und Fachwörtern der unterschiedlichsten Disziplinen, aus denen der Leser mithilfe von Schablonen oder Computerprogrammen zufällige und sinnlose Sätze erzeugen kann. Damit soll die leere Rhetorik auch ernstgemeinter Texte aus dem jeweiligen Fachgebiet persifliert werden], oder Bullshit-Bingo [ein an Bingo angelehntes Spiel für gelangweilte Meeting- und Konferenzteilnehmer. Die Spieler erhalten eine Tabelle aus fünf mal fünf aktuellen Buzzwords. Fällt eins dieser Worte im Meeting, wird der Begriff angekreuzt. Wer als erstes eine Fünferreihe gefüllt hat, erhebt sich und ruft laut »Bingo!« oder wahlweise »Bullshit!« in den Raum ], oder den Bullshit-Deflector [Hörschutz zum selber Basteln als Schablone zum Ausschneiden mit Anleitung] — bleibt mir nur mein visueller Zugang, den ich wie folgt zupixeln würde: ![]() »Worum es hier geht, ist klar. — In früheren Zeiten ließen Handwerker sich nicht auf Pfusch ein. Sie arbeiteten sorgfältig und achteten auf jedes Detail ihrer Arbeit. Jeder Teil ihres Produkts war durchdacht und wurde genau so entworfen und gefertigt, wie er sein sollte. Diese Handwerker ließen in ihrer aufmerksamen Selbstdisziplin selbst dann nicht nach, wenn es sich um Teile handelte, die am Ende gar nicht mehr sichtbar sein würden. Niemand hätte bemerkt, dass diese Teile nicht ganz sauber gearbeitet waren, doch die Handwerker wussten es und konnten solche Schlampereien nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren. Nichts wurde unter den Teppich gekehrt. Man könnte vielleicht auch sagen: Es gab keinen Bullshit.« [S.28] Heute hingegen gibt es ganze Anleitungen zum Thema »How to Bullshit«. Es wird eine Disziplin und die wichtigsten 4 Hauptschritte, zitiert von WikiHow lauten: 1 2 3 4 Auch wenn dieses Englisch im Grunde nicht ins Deutsche gebracht werden kann, bleibt mir zu »On Bullshit« nur das Schmunzeln, wie wahrscheinlich vielen, die den vulgären Slang der Gassensprache auf dem Highway wissen. Die Freiheit über Form und Wissen, aus persönlichen Erfahrungen Produkte zu erstellen, hat tatsächlich alte Schule, obgleich ich mich schwer tue mit Harry Gordon Frankfurt mitzufluchen. Ich denke, das Experiment ist es allemal wert, restriktive wissenschaftliche Dogmen als Lügen in seiner zeitgemäßen sozialen Bauart nachzurüsten. Alleine die individuelle Auseinandersetzung und das vertiefende Überdenken, sofern der Bildungshintergrund leistbar und zugänglich gemacht wird, werden Aufschluss darüber geben, mit wie viel Mist auch weiterhin gedüngt werden muss. Zwanghaft ist der Vorgang der öffentlichen Verbildung aber nur deshalb, weil europäische Bildung »Bullshitting« zu unterliegen scheint. Insofern ist es leicht, von der Princeton Universität aus auf eine weltweite geistige Verarmung und Verdummung zurück zuschließen, zumal der wissenschaftliche Aufschrei ja wieder in seiner philosophischen Grunddisziplin mündet. Dieses Experiment hält seinen Vorsprung für angebracht. Dieser Essay belegt das Ende eines natürlichen Kreislaufs. Dieses Spiel bedeutet, sein persönliches Unwissen auszusetzen. . . . © Dieter Telfser 2006 Bla, Bla, Bla: »Ein Epiphänomen ist das, was zu einem Phänomen hinzukommt. Die Pataphysik, deren Etymologie mit epi [meta ta physika] zu schreiben ist, ist die Wissenschaft von dem, was zur Metaphysik hinzukommt — sei es innerhalb, sei es außerhalb ihrer selbst — und die sich ebenso weit jenseits dieser ausdehnt, wie diese jenseits der Physik [...] Sie soll die Gesetze untersuchen, die diesen Ausnahmen unterliegen, und will das zu dem existierenden zusätzlich vorhandene Universum deuten.« — [Alfred Jarry, Doktor Faustroll] ... Link (2 comments) ... Comment
Fertile Hermas! — Ambiguität als Gesellschaftskorrektiv. Über eindeutige Botschaften, die nicht ankommen wollen, aber trotzdem ihre Verankerung finden. Zwischen den Zeilen, über den Wolken, mit sehr viel Idealen in der Erde wühlend und trotzdem unzufrieden? Glück als Kritik am Unglück, um das Wort zu halten? — Native Drafts Enflowered!
dieter
11:55h
![]() Dass ich im Frühling über nicht eindeutige Botschaften schreibe, hat wohl damit zu tun, dass zu viel an Blüten in der Luft liegen. Aber auch der geschichtliche Kontext von Menschen die sich in ihrer Zweideutigkeit nicht auf Einkanalton reduzieren lassen, veranläßt mich darüber zu schreiben. Die Bücherliste war lang, und die Recherche verwunderte mich, zumal Themen wie Hermaphrodismus, Androgynie und die damit verbundene Ambiguität vorwiegend einer sexuellen Beleuchtung stand halten musste. Zweifelsohne gibt es in unserer Gesellschaft Menschen, die Muse mit Skurrilität kaum in Einklang zu bringen wissen. Es bleiben sehr viele Randgruppen in einer hermetisch und kommerziell geschlossenen Einheit auf jene Limits zu reduzieren, die sie selbst damit setzen, obgleich »Bunt« und »Vielfalt« auf den Fahnen steht. Der Vergleich Quer und Queer sagt zwar übersetzt genau jenes magische Nichts an wieder verwertbarer Markenideologie, wie die eigentlich reizenden Wesen und Geschöpfe dahinter. Das Thema scheint dann gegessen, wenn es »OUT« und somit klar positioniert ist, ohne zu bedenken, dass die Schicksale dahinter einer unerhörten Messdialektik mit sich selbst ausgesetzt sind. So bleiben Dialoge auch dann auf der Strecke, solange sie nicht wirklich autorisierter Teil einer sich beschreibenden Gesellschaft sind. Würden die schillernden Bilder der gezeichneten Körper wirklich nicht nur »Faschingsakzeptanz« finden, um sich dann wieder in ihre Löcher zurück zu ziehen, hätte die Maske nicht so viel mit dem Licht darüber zu kämpfen. Den erstaunlich verdrossenen Lebensmut in Schwung zu bringen und die »Einsamkeit« in den Augen so stoisch in die Kameras zu werfen, dass Herzen dadurch zu bluten beginnen, bleibt eine heroische Glanzleistung, um daraus Impulse weiter zu werfen, als sie das Licht selbst an Schatten vorgibt. ONOne—ISNess als transverser Begriff für einen auf »Meta« gesockelten, eindeutig zweideutigen Inhalt, begibt sich von der Zelle weg gezeichnet auf die Suche nach den Ursachen von in Bildern gehautem »Fetisch«. Als magisch verzauberndes Adikt scheinen sich die Werkzeuge so lange die Werkzeuge selbst in die Hand zu legen, bis daraus zwangsläufig neue »Wesenszüge« entstehen. Mann steht auch so lange darüber, bis man anscheinend nicht mehr »Alleine« damit ist und somit neue Wege im Salon der neugierigen Causeure gefunden hat. Die Erzähler, ohne Zweifel Linkshänder, tauchen mit Leib und Seele in eine orientierte Welt von Menschen und Kosmos ein, der glitzernde und erhitzende Bälle gegenüber einem eisig gefrorenen Garten von Landschaft und Fleisch widersprüchlich erscheinen lässt. — Bei genauerem Hinblick aber immer als symmetrisch erweiterbarer »Totentanz im Feuer der Diamanten«. Die Symmetrie erfordert aber die wahre Aufmerksamkeit, denn Raum und Licht — ohne Wärme und die Gestalten, die sich als Symbole teilen, blieben jene als Körperschwellen reduziert auf Luxusschwellen übrig, die eine raffinierte Andersartigkeit aber nicht mehr belegen könnten. Statuen, die sich selbst kastrieren, scheinen die universelle Richtung und der damit verbundene objektive Härte als Weich- und Weisheit in einem Zeichen zusammengefasst gefunden zu haben. Das heißt, aller Geist und alles Fleisch erleiden eine Art keusche und akzeptierte Spannung von einem unerschütterlichen Fels ohne Brandung. Für mich eine durchaus aktuelle Zeitbeobachtung, bedenkt man die stiftende Omnipräsenz von Sex und die ertüchtigende Entschärfung über spirituelles »Kanäle öffnen« oder sonstige Esoterika. So bleibt eine Diät deshalb eine Lebensentscheidung, weil die Haltung damit ergründet werden will. Die Frage nach Identität ist dabei eine sich von Millionen äußerlichen Einzelteilchen sammelnde elementare Grundeigenschaft geworden. »Wir« formen deshalb bipolar, weil wir uns daraus eine lebensnotwendige und vitale Spannung erwarten. Alleine der erlösende Glücksmoment, dem Weltschmerz etwas entgegen zu setzen, lässt zumindest das Wort selbst halten. »Trotz« und »Stau« halte ich persönlich für ein äußerst europäisches Phänomen, wohl weil es mit Schuld und nicht Verantwortung verbunden ist. Natürlich könnte man wieder etwas an die Weltreligionen abgeben, bzw. ans Universum zurückspiegeln, was an zu viel Licht auf dem Planeten eintrifft, gäbe es da nicht die eher trockenen und sich in der Wiederholung erschöpfenden Erlösungskonzepte. Ich bedauere sehr, mit ansehen zu müssen, wie politische Abstraktionen im Fernen Osten zu einem Nahen Osten Spektakel ausarten. Dabei ist das Wort »Extrem« ja eigentlich falsch, zumal die Wertlosigkeit von Existenzen genauso gewürfelt wird, als wollte man damit absichtlich andere kulturelle Suppen mitwürzen wollen. Obgleich sich der dabei »heilende« und emporkommende Aspekt einer Offenlegung nähert, bleibt das Kartenspiel dahinter als eine offensichtlich erkennbare Strategie im Ergründen von Volksseelen in ihrer eben uneindeutigen Botschaft. — Das hat wiederum eindeutig mit jenen einzelnen Schicksalen zu tun, die sich in ihrer innersten Ambiguität als Gesellschaftskorrektiv vor den gesamten Weltschmerz werfen müssen. — Diese zwanghaften Mechanismen kontrastieren aber sehr eindrucksvoll ein kommerziell neutral gezeichnetes Weltbild von »Pimp My Balls«. »La Via Diretta« als ein eindeutig richt- und einordenbares Weltbild zeugt aber von einer bereits fortgeschrittenen Hermetisierung von Gedankenmodellen. Obgleich ganze Institute ausschließlich »Interdisziplinäre Forschung« auf ihre Schilder schreiben, hat eine Zusammenlegung der Disziplinen noch keine besonders fruchtbaren Impulse für die menschliche Denke gebracht. Vielfach bleibt es Begeisterung in seiner übrig gebliebenen Euphorie, um das Thema Dualität selbst als Mahnmal für mutierbare Geschichtszyklen, immer weniger »Brillant« als vielmehr »Satt« zu zeichnen. So bleibt ein Spektrum an Ideen deshalb kaum vermittelbar, zumal viele Hörer ihr Spektrum bei sich selbst dezentralisiert wissen, also gar keinen Impuls finden können, einem ambiguosen Weltkonstrukt beizutragen. Der Begriff »Androgyn« — zusammengesetzt aus dem griechischen Andros [Mann] und Gyne [Frau] — ist ein nicht eindeutig zu fixierender Begriff, er ist vieldeutig und schillernd und Träger einer verwirrenden semantischen Erblast. Androgynie ist die Gedankenfigur, in der Weiblichkeit und Männlichkeit — die in als zwei entgegengesetzte Merkmale menschlichen Seins gelten — als in einer Person vereint vorgestellt werden. Die Idee ist sehr alt und hat im Laufe der Zeit unzählige Deutungen und Darstellungsformen erfahren. Die Vielfalt, mit der der Gedanke der Androgynie bislang zum Ausdruck gebracht wurde, ist irritierend und nur zu verstehen, wenn der jeweilige historische und kulturelle Kontext mitgedacht wird. Der Blick des Hermaphroditen in der Kunst des 20. Jahrhunderts: [s.39] — »Mit der Wende zum 20. Jahrhundert und dem stetig wachsenden Interesse an der historischen Erschließung des 19. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der Realität einer Weltkunst vollzieht sich der Paradigmenwechsel etablierter, der Liebhaberei erwachsenen Antikensehnsucht und - verehrung hin zu einer sich an der Kunst der Naturvölker, Primitivismus und Exotismus erprobenden Kunstwissenschaft: »Es muss endlich wieder begriffen werden dass alle Kunstwissenschaft, ob sie die Kunst nun historisch, formenkritisch oder psychologisch untersucht, nur konstatieren darf! — Sie kann nur empririsch hinter der Produktion einhergehenden und aus einer gewissen Distanz anschauen. Die Kunstwissenschaft darf keinen Willen, keine programmatische Absicht haben: sie hat Naturgeschichte zu treiben und alle persönlichen Sympathien und Antipathien dem Objekt unterzuordnen«. Professor Dr. Christa Rohde-Dachser »Zwei Geschlechter in einem, das ist keine Idee von Ganzheit, sondern darin ist – was vielleicht im menschlichen Denken gar nicht anders möglich ist – die Idee von Differenz impliziert. — Für mich besteht dieser Widerspruch nicht zwischen »männlich« und »weiblich«, sondern zwischen Einheit und Differenz. In dem Moment, wo diese Einheit auseinander gebrochen ist, ist Zweiheit und Differenz entstanden, die man wieder überwinden möchte und diese Differenz ist natürlich für ein Kind zunächst auch in der Zweiheit der Geschlechter begründet. Was ich interessant finde, das ist diese romantisch harmonisierende Konnotation, die die Androgynie in einem solchen Kontext bekommt. Da gibt es die böse, realitätsgewahre Geschlechterdifferenz und das fast Paradiesische des Androgynen. Und das macht auch viel Sinn, ich denke, das ist eine psychoanalytisch gut nachgewiesene Phantasie. — Die tiefe Sehnsucht nach Androgynie bleibt eine ganz tiefe weibliche Sehnsucht. Sie ist noch nicht so weit ausformuliert worden, weil sie innerlich dennoch einem fehlenden Stück unterliegt.« Laura Méritt: »In Beziehungen, die ein Netzwerk aus Sex und Intimität darstellen können, geht es immer wieder darum, Gefühle und Bedürfnisse klarzumachen und die momentanen Grenzen zu setzen. Die Herausforderung besteht darin, anderen offen mitzuteilen, was zum momentanen Zeitpunkt in mir passiert, wie ich mich fühle, was ich brauche und worum ich bitte. — Da in unserer Kultur Bedürfnissen wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, gibt es kein vielfältiges Vokabular dafür. So ist Kreatitivität gefragt, über die wir uns auch näher kennen lernen. Es existieren neun Überbegriffe, mit denen die wichtigsten abgedeckt werden können. Neben dem Bedürfnis nach körperlicher Nahrung, zählt das Bedürfnis nach Sicherheit, Verständnis, Kreativität, Intimität, Spiel, Erholung, Autonomie und Sinn oder Spiritualität.« A Room of One’s Own: »...for if two sexes are quite inadequate, considering the vastness and variety of the world, how should we manage with one only? Ought not education to bring out and fortify the differences rather than the similarities? For we have too much likeness as it is, and if an explorer should come back and bring word of other sexes looking through the branches of other trees at other skies, nothing would be of greater service to humanity; and we should have the immense pleasure into the bargain of watching Professor X rush for his measuring-rods to prove himself »superior«. Ideal Vollkommen — Real Verkommen? Mehr als Zeitgeist! . . . © Dieter Telfser 2006 Leseliste | Quellenangabe: hermaphrodite (audio/mpeg, 2,613 KB) — »L’abbé de Choisy« — Androgyne et mandarin — Fayard — ISBN 2-213-59409-2 — »Monsieur d’Eon ist eine Frau« — Die Geschichte einer politischen Intrige — Gary Kates — Klein — ISBN 3-89521-035-8 — »Querelles« — Androgynie. Vielfalt der Möglichkeiten — Ulla Bock und Dorothee Alfermann — J.B. Metzler — ISBN 3-476-01672-2 — »Mehr als eine Liebe« — Polyamouröse Beziehungen — Laura Méritt, Traude Bührmann, Nadja Boris Schefzig — Orlanda — ISBN 3-936937-32-X — »Der Hermaphrodit« — Michel Serres — Edition Suhrkamp — ISBN 3-518-11552-9 — »Middlesex« — Jeffrey Eugenides — RoRoRo — ISBN 3-499-23810-1 — »Über Hermaphrodismus« — Der Fall Barbin | Gender Studies — Michel Foucault — Edition Suhrkamp — ISBN 3-518-11733-5 —»Der Blick des Hermaphroditen« — Carl Einstein und die Kunst des 20. Jahrhunderts — Dr. Johanna Dahm — Königshausen&Neumann — ISBN 3-8260-2647-0 — »The Hermaphrodite« — Julia Howe, Gary Williams — University of Nebraska Press — ISBN 0-8032-2415-X ... Link (0 comments) ... Comment
Wired Strengths! — Erschreckend einfache Erkenntnisse für nicht ganz übliche und einordenbare Wesen dieser Zeit. Über Kräfte und Postleitdaten, mit denen ein Großteil von Freunden, Ihre besten Freunde an »Experten« abgibt. Hoffnungslos überforderte Beschauer, auf dem Weg zu deren eigenen Kräften und Ängsten. — Wie kommen wir dazu, die sensibelsten und wertvollsten Beitrage von Menschen in einen »Normbereich« rücken zu wollen?
dieter
00:00h
![]() »Mitgefühl und Liebe zu Leidenden, ist bequemer als Liebe zum Denken.« meint Oscar Wilde in seinem Aufsatz »Der Sozialismus und die Seele des Menschen«. — Prof. Dr. Arno Gruen hingegen spricht in einem Interview mit Barbara Lukesch über sein Buch »Wahnsinn der Normalität« nicht in einem klinischen Sinne von Wahnsinn, sondern versteht »Wahnsinn« als Unmenschlichkeit, die allerdings nicht als solche erkannt wird, und gerade deshalb viele Menschen zerstört. »Denken Sie an all jene Menschen in unserer Kultur, der Größe und des Besitzes, die zwar ihre eigenen Gefühle des Schmerzes und Mitleids unterdrücken, dafür aber bestens funktionieren und gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Erfolg davontragen.« — Nur wer unempfindlich ist für den Schmerz eines anderen, kann diesem auf den Kopf hauen, oder ihn im täglichen Konkurrenzkampf ausschalten. Inspiriert von »Brave New World« schreibt er über die politischen Konsequenzen der Identifikation mit dem Aggressor: »Eine Identität, die auf Identifikation mit Autorität basiert, hat nichts mit Eigenständigkeit zu tun. Mit solch einer Entwicklung kommt es dazu, dass aus menschlicher Identität eine Attrappe wird, die zwar die Sprache des Menschseins nachahmt, das Herz des Menschen aber verrät. Solch eine Entwicklung hat politische Konsequenzen, die zur freiwilligen Knechtschaft und das Bestrafen anderer führen.« — Wir leben in einer Welt, in der wir zunehmend voneinander abhängig werden und uns dennoch immer mehr gegeneinander wenden. Warum stellen sich Menschen gegen das, was sie miteinander verbindet, gegen das, was sie miteinander gemeinsam haben – ihr Menschsein? Der Versuch, Menschen in Kranke und Nicht-Kranke einzuteilen, ist zum Scheitern verurteilt, weil er die eigentliche Krankheit, die unser Opfersein hervorbringt, nicht berücksichtigt. Wenn aber diese Grundlage unserer Entwicklung ignoriert wird, muss unser Geschichtsbewusstsein ein unvollständiges sein. Das Vorhaben, die Geschichte des Menschen zu verstehen, wird so lange scheitern, wie wir nicht in der Lage sind, das Allgegenwärtige des Fremden in uns zu erkennen. — Die Einsicht ist versperrt, weil wir den Terror und das Leid, denen wir ausgesetzt waren, verleugnen müssen. Diese Verschüttung der Quellen des Opferseins führt dazu, dass der Gehorsam immer wieder inszeniert und weitergetragen wird. Dabei ist das Perfide am Gehorsam seine eingebaute Sicherung: Gegen ihn zu verstoßen bedeutet, mit Schuld überladen zu sein. Wenn Identität auf der Identifikation mit Autorität basiert, bringt Freiheit Angst! — Solche Menschen müssen dann das Opfer in sich selber mit Gewalt gegen andere verdecken. Die innere Not und der Druck, dem alten Terror zu entkommen, werden so groß, dass man sie nur noch mit verstärkter Energie abwehren kann. Dies geschieht, indem das Eigene, das ja Auslöser des inneren Terrors ist, [Ohnmacht des Ausgeliefertseins und der damit verbundenen Scham] in äußeren Fremden gesucht und bekämpft wird. Dabei findet man das Eigene natürlich am ehesten bei Menschen, die einem ähnlich sind. — Menschen, die vom inneren Fremdsein bestimmt sind, hatten nie die Möglichkeit, ein Urvertrauen als festen Bestandteil ihrer Persönlichkeit zu entwickeln. Statt dessen übernehmen sie eine »falsche Identität«, die sie auch weiterhin dazu veranlasst, repressive Autoritäten zu idealisieren und Rettung ausgerechnet von jenen zu erhoffen, die eigentlich ihre »Peiniger« sind. Natürlich bin auch aus persönlicher Erfahrung immer wieder traurig darüber, wie schnell »überfordert« sich viele in dieser Gesellschaft Menschen mit dystonischen Verstimmungen nähern, bzw. sich eigentlich vom Herzen weg, von ihnen entfernen. Nicht immer ist es möglich Kraft in einen harmonischen oder gar hormonellen Ausgleich zu bringen, aber ein Großteil jener Freunde, die unbedingt glauben, in Therapien oder gar Psychiatrien Hilfe suchen zu müssen, hat meistens nur ein kleines Problem, nämlich jenes, dass sie als solche in ihrem intimsten Umfeld nicht verstanden bzw. schlicht nicht gehört werden wollen. — Da das psychiatrische Niveau sowieso im chemisch freien Fall jenen Pharmakonzernen zuliefert, die sich selbst noch umleiten, habe ich tatsächlich das Gefühl, jenen schwer beschäftigten Menschen mehr Kraft für deren eigenes Umfeld zureden zu wollen. Obwohl das Problem nur individuell und persönlich gelöst werden kann, wäre es höchste Zeit, zwischenmenschliche Begleitung und Freundlichkeit nicht erneut an rückkoppelnde Autoritäten abzugeben. Wie auch immer man Menschen, die den Kontakt zu ihren emotionalen Wurzeln unterbunden wissen, therapeutische und/oder menschliche Hilfe zukommen lässt, es bleibt ein »Kunstgriff« inmitten eines sozialen »Verdrehspiels«, welches endlich seine mündige Realität finden könnte. — Wer immer glaubt, krankhafte Veränderungen der Stimmungslage behandeln zu müssen, möge sich ausführlicher mit der anscheinend grundlosen und übersteigerten Heiterkeit oder gar tiefen Niedergeschlagenheit auseinandersetzen. Viele Dinge liegen erstens offensichtlich auf der Straße, und sind zweitens sehr leicht mit etwas Mut, Liebe, Aufmerksamkeit und natürlich Zeit zu beheben. Die Sprache des Herzens ist eine »universelle« Sprache, die keine kristalline Veränderung in unseren Blickwinkeln benötigt, um praktisch und faktisch auch nachhaltig zu wirken. Everybody is free! The Sunscreen Man . . . Quellenangabe: Arno Gruen: Die politischen Konsequenzen der Identitifikation mit dem Aggressor: — Das Bedürfnis, bestrafen zu müssen. — Arno Gruen wurde 1923 in Berlin geboren und emigrierte 1936 mit seinen Eltern in die USA. In New York studierte er Psychologie und promovierte 1961 als Psychoanalytiker bei Theodor Reik. Er übte zahlreiche Tätigkeiten an verschiedenen Universitäten und Kliniken aus, erst hatte er eine Forschungsprofessur in Neurologie an der medizinischen Fakultät der Cornell University und war Professor an der Rutgers Universität in New Jersey. Seit 1958 hat er eine psychotherapeutische Praxis und leitete dann die psychologische Abteilung einer Kinderklinik in Harlem. 1979 kehrte er nach Europa zurück und lebt und arbeitet seitdem in Zürich, wo er noch immer als Psychoanalytiker praktiziert. ... Link (2 comments) ... Comment
EnUnSpeeding Life! — Entschleunigung durch mehr Sichtbreite im Alltäglichen. Über die Kunst des Langsamen Verschnellens als Quervergleich zu technischen Schritthaltern. Mehr humane Taktfrequenz für weniger Divolution. — Unsere Hennen fühlen sich wohl am Land!
dieter
00:15h
![]() Die digitale Revolution als Hautersatz vorkorkst bereits seit den Neunziger Jahren zum Konzept der »Entschleunigung«, welches mittleres Management bereits ca. zehn Jahre früher als »Enhanced-Suggestivity«-Modell von deren Trichtern eingeflößt bekommen hat. Ein Coachee, bzw. die|der durch einen Coach die Ausübung von komplexen Handlungen mit dem Ziel der Befähigung zu komplexen Ergebnissen krönen soll, unterliegt dem Prinzip von Modalität durch Führung. Deshalb werden meistens auch Manager aus Jenen, die es ursprünglich nur zu eilig in der Verwirklichung Ihrer nativen Energien hatten. Mit einem mehr als nur simplen System versuchen viele unter uns, Geschwindigkeit durch Komplexität so zu minimieren, dass sie sich ihr »Ganzes« doch wieder umfassender vor Augen spiegeln können. Einordnen lässt sich das Systemische-, Inner- Integral-, Gruppen- oder eben Selbstcoaching beinahe in jede Zielgruppe, da viele suggestive und sich teilweise auch überschneidende Begrifflichkeiten aus der herkömmlichen Psychoanalyse entliehen wurden. Coaching möchte sich allerdings nicht als therapeutischer Ersatz verstanden wissen, obgleich die Geschwindigkeit der Resultate manchmal daran Zweifeln lässt. Es ist schwer zu Erfinden was am Simplen, Einfachen, Verlangsamenden Konzept so wichtig ist. Alleine das Wort »Entschleunigung« müsste reichen um verständlich zu machen, dass Speed im wahrsten Sinne eben bestenfalls zur oberflächlichen Verschließung von Nervensträngen führt. Aber was ist dran an der bewussten mit gutem und langsamen Gewissen statt findenden Lebensprioriät? Ich zweifle an der Herkunft des Modells; viel zu ungesund scheint es mir über den Ozean gewachsen. Ich mag es nicht ein Gedankengut als Sachgut auf der Strasse zu wissen, zumal Wissenschaften heute ja einfach nur Erklärungsmodelle, und keine konkrete Marktgewichtigkeit haben dürfen. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, eine Verallgemeinerung zu diesem Thema macht deshalb Sinn, weil es der persönlichen Motivation darüber nachzudenken einfach besser nachkommt, als die in Ihren Prinzipien verleugnete Form an »Easyfying Complexity«. Basically it is not simple, to be and live Simplicity. Das hat schon Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen bekleidet. Ich täte mich allerdings auch noch schwerer das Thema unter einem dynamischen Aspekt beleuchten zu wollen, denn was ist Neu an dem Faktum der Unergründlichkeit von humanem Verhaltensweisen? So sagt z.B. die Tochter von Marlene Dietrich über Ihre Mutter: »Der Filmstar Marlene Dietrich war ja immer nur die Person im Spiegel, aber nie sie selbst. Sie war eine ganz normale Schizophrene.« Marlene Dietrichs Wille sei phänomenal gewesen. Trotz ihrer zahlreichen Liebhaber hat meine Mutter Sex gehasst. »Aber jeder ihrer Liebhaber wollte sie zu seiner Ehefrau machen.« Ich habe die Liebhaber meiner Mutter immer bedauert. »Geliebt habe ich meine Mutter nie. Ich habe sie als Darstellerin respektiert. Sie war brillant. Sie war faszinierend.« Ich persönlich schließe daraus, dass hinter einem Phänomen, also immer eine ausgeprägte Willensmotorik mit Weltsensorik und seine autarke Erhaltung steckt die zur beabsichtigten »Wesenschau« notwendig bleibt. Die Geschwindigkeit bricht in diesem Falle also seinen realen Winkel durch eine Unnachvollziehbarkeit für andere. Unnahbare Kühle als stoisches Disziplinmodell mündet zumindest politisch gesehen, meistens in einer Art Neoflorealismus. Spannend finde ich dabei, dass sich jene Versprechung selbst mit azyklischen Modellen von High- bzw. Low Politics verspricht. So bleiben durchaus relevante Modelle aus der Klinischen Psychologie, die über dessen Verbreitung durch Coaching via NLP via overwhelming Crispality, sprich Führung durch Technik auf der Strecke. Aber ich versuche mir das mal mit simplen Worten klar zu machen: Vorsprung durch Technik bedeutet also nicht mehr auf den notwendigen Vorsprung im Leben eingehen zu müssen? Ruhe durch Wissen als Einsicht in seiner gelassenen Ausübung, weil man es ja weis? – Anderen vielleicht vorbehält? – Politisch damit abgrenzt? – Back to the Roots dazu sagt? Verlangsamung in all seiner bodenständig anmutenden Vernunft ist aber gar nicht immer Ziel des Versuchs sein Leben durch eine Art Vivez et Laissez Vivre in gelenkigere Bahnen münden zu lassen. Viel mehr habe ich den Eindruck, es ist ein tröstendes Wort, ausgerichtet auf körperliche, geistige, seelische, und materielle Befindlichkeit in einer Zeit von Hypervitaminosen, Experimentalitäten, Bossalitäten, Allokationismen, Superluminalismen Superhumanismen und sonstigen Rhizomen bzw. Hyperverknotungen. Wichtig dabei empfinde ich aber die Erkenntnis, dass durch den gewünschten Abstand von realen »Miseren« kein Abstand als vielmehr eine Verfremdung der realen Situation eintreten muss. Versucht man z.B. dem Thema »Dreck« auszustellen, stört dies empfindlich das Gleichgewicht von Vorgaben und persönlichen Zielsetzungen in seiner Umsetzungsdynamik. Die verstrichene Zeit, oder ein entfernterer Ort wirft also nur ein anderes Licht, aber keine andere bzw. verändernde Erkenntnis dazu. Das halte ich für einen der größten Trugschlüsse der heutigen Zeit, samt seinen fatalen Folgen: very en vouge als magischer Lösemittelbegriff »Outsourcing« oder »Global Sourcing«. ![]() Zeit ist gemessene Erfahrung! — Erfassbar z.B. in den Ausschlägen eines Pendels, den Umläufen der Jupitermonde oder der Länge einer Reise. Auch Empfinden und Denken kostet Zeit. Das ist an der Gehirntätigkeit z.B. über ein Elektroenzephalogramm messbar. Physiologen finden, dass der Mensch eine Art Zeitquant besitzt, eine Zeiteinheit von etwa einer Zehntel Sekunde. Der durchschnittliche Mensch hat somit einen Zeitvorrat von 40 Milliarden menschlichen Zeitquanten, also 40 Milliarden Erlebnisse, bzw. Wahrnehmungen. Geht man davon aus dass wir uns über Photonen zum Fortschritt animieren lassen bzw. jene elementare Anregung über Licht auch als persönliche Wahrnehmung für uns nachempfindbar, bzw. nutzbar machen wollen, haben wir tatsächlich noch viel vor uns. Überflutet von esoterisch bzw. tibetisch angehauchten Konzepten messen wir heute Auren in km/h und wundern uns nicht über eine praktisch vollkommen enthobene Funktion solcher Ergebnisse. Zeitdruck wird als Showeinlage dann zur Motivation von »Emsigen« benutzt, wenn sich dualistische Erfolgszeichnungen nicht mehr ablichten lassen. So ist Luminal Speed derzeit auch der nachgeschriebene Beweis für persönlich definierte und gestaltete Existentialität. War Verantwortung noch das unkatholische Modell von »Nicht-Schuld« bleibt sie in direkter Bemessung zur eigentlichen wirtschaftlichen Brauchbarkeit. Es ist fast so als würde die Kirche noch nachhaltige Buchhaltungskurse predigen um die globale Verantwortung zumindest etwas auf »Even« zu stellen. Die daraus gewonnene neu geglaubte Dimension an Zeitqualität, welche in seiner räumlichen Ausdehnung längst schon die vierte Zeitdimension überschritten hat, gewinnt also durch die Undurchsichtigkeit ihrer Berechenbarkeit immer mehr an sozialer Gewichtung. In Wirklichkeit liebäugeln die einzelnen von Natur aus ja gleich berechtigten Raumdefinitionsgrößen mit einer objektorientierten Dynamik welche eine Gegengewichtung in der Natur der humanen Spezies selbst sucht. In diesem Falle definiert sich Geschwindigkeit bzw. seine Entschleunigung durchaus als das Verhältnis von zurückgelegtem Weg und der dafür in Zeit bezahlten Qualität. Eine Geschwindigkeit kann also nicht immer direkt und mit physischen Konzepten gemessen werden. Die Motivation für mehr Offenheit bleibt also das dezentrale Erleben der Veränderung des Zustandes für sein persönliches Umfeld. Wiederholt man jenen Gedanken in seinen einzelnen Wunschsegmenten, erleben wir derzeit eine weltweite große Bitte um mehr Veränderung eines Gesamten, ohne die Einzelteile dabei zu vergessen. Man könnte auch Massensynergie dazu sagen, oder vielmehr Apoliktika auf Eis mit dem Quäntchen mehr Durchdringlichkeit. Mehr oder weniger bleibt aber jene Situation der gegenseitigen Demaskierung übrig, die ich persönlich zur Genüge aus »The Unaesthetic Face in Love« kenne. Dahinter ist also im Stillen mehr als davor, damit das Offene seinen Aspekt der Überraschung in seiner Technik nicht verliert, oder gar mindert: »Isn’t it nice, when your Network works with you?« Die Motivation bleibt also einer zentralen Idee von Zugpferdtechnik vorbehalten. Ja, und natürlich geht so etwas nur langsam, denn würden wir annehmen Gentechnik und Internet wären die modernen Peitschen für die schnellere Umsetzung von Materie, würden wir als normale Menschen wohl ziemlich teintlos daherschauen. Theoretisch müssen wir einen Großteil unseres Handelns gar nicht verstehen, um uns selbst jene Aktionen zu setzen, die wir uns auch glaubhaft wieder vor die Nase setzen. Polaritäten wie Wissen durch Unwissen auf die schreibende Presse umgemünzt, bedeutet aber nur mehr die Wahl der Mundart so zu setzen, dass sie der gewünschten Emotionseinklage auch entspricht. Der Charakter als Glyphe ist ja deshalb heute autoadaptiv weil wir mehr zusammenzählen als dividieren. Eine Allianz in diesem Millenium bedeutet also nicht einen wirtschaftlichen Zusammenschluss erträglich zu manifestieren, sondern ihn als Community für agilere Ziele erneut zu streuen. Selten kommt dabei eine Unternehmenshaltung zu Tage als vielmehr der persönliche Wunsch der Erleichterung im wahrnehmen der eigentlich wirtschaftlich anzugehenden Themen. So bleibt eine Star-Alliance eben der Wunsch nach den Sternen, die uns das Überleben sichern, weniger aber die Sterne selbst. Den Rest halte ich für »Börslerei« mit etwas Corba. Da haben wir den Salat: ![]() © Dieter Telfser 2005 »Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit! Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.« Albert Einstein [1879-1955]. — Special Thanks to Dr. Pier-Paolo Pasqualoni for Inspiration, Graduation and Assistance. ... Link (0 comments) ... Comment ... Next page
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