Reteid Resflet*10 Open Sources 1.7
Thursday, 21. July 2005
In Memoriam Dr. med.-univ. Rose Kerschbaumer. — Am zehnten Juli 2005 verlieren viele Menschen ein Wiener Sinnbild für Stil und Tapferkeit. Eine Dame mit Haltung und Humor fand Ihren Frieden in einem ganz persönlichen Modell von Glauben. — I’ll miss you, Rosalie!
© ORF/Walter Schiejok 1995 - © Christoph Hiesz/Realtime Productions/Wien 2004 — Dr. Medizinalrat Rose Kerschbaumer [*17.7.1924 — †10.7.2005] und ich wurden am neunten März 1995 in die <a href="http://telfser.com/static/antville/telfser/files/rosalie%20und%20dieter%201995.MOV">Sendung Schiejok Täglich [ORF2]</a> zum Thema »Gegensätze ziehen sich an« eingeladen, und wurden zu unserer seelischen Verwandtschaft und Freundschaft interviewt. Rosalie mit ihren jungen 35 Jahren, wirkte gar frischer als ich mit meinen geschminkten 25 Jahren. Dies lies sich einerseits auf ihren äußerst präzisen und nachhaltigen als auch vielschichtigen Lebenswandel zurückzuführen. Diese echte Wiener Dame hatte nicht nur Biedermeier [eine apolitische Übergangsphase zwischen der Romantik und dem Realismus] im Blut, sondern dazu auch noch den ganz banalen vernetzwerkenden Kontext, den heute alle ja nur mehr zitieren, anstatt ihn zu leben. Wir hatten viel Freude zusammen und ich erinnere mich noch gerne an unsere Verhandlungen in der Garderobe vor der Sendung. Humor war eines ihrer tragendsten Vermittlungsmodelle. Rosalie und ich sind heute, und wohl auch über ihren Tod hinaus, noch dicke Freunde, obwohl wir uns dazwischen viele Jahre nicht gesehen haben. Wir pflegten nach wie vor regen Austausch miteinander. Persönlich habe ich immer schon von gediehenen Menschen mehr lernen können, als von meinen gleichaltrigen Mitmenschen, da ich stetig das Gefühl hatte, deren Information sei nicht ergründet genug; als vielmehr einfach nur irgendwoher vorhanden. Den materiellen Bezug zu Rosalie [den man mir immer wieder unterstellt hat] erkläre ich hiermit als nichtig, denn wir pflegten lieber präzise zwischenmenschliche Wertschöpfung, als jene banale Definition über wertige Stücke bzw. Vergleichsmodelle für die Umwelt. Der Altersunterschied gab weder ihr noch mir zu denken und wir ergründeten jenen auch sehr selten, da wir es für vollkommen belanglos hielten. Ich bin Rosalie sehr dankbar, echte Wiener Kultur im [für mich] wahrsten Sinne erspürt und erlernt zu haben, da ich mit den 1995 in Wien verfügbaren stati mentii  nicht wirklich arbeiten konnte.  <em>Den Zugang zur humanistischen und vor allem österreichischen Kultur und deren Pflege verdanke ich dieser überaus reizenden und liebevollen Dame,</em> die tatsächlich nicht nur Rosalie genannt werden darf, sondern auch noch jene Rosenzüchtungen in ihrem Garten pflegt und hegt. Auch ihre Teemischungen fand ich mehr als schmeichelhaft, obgleich ich mich hie und da im Auto mit ihr erschrak, da ihre Pekoe-Mischungen über das Gaspedal manchmal mit ihr davondüsten. Rosalie fuhr aber so feinsinnig, als würde man bei ihr im Salon Nüsse knacken können. <em><b>I’ll miss you, Rosalie!</em></b> P.S. Ich entschuldige mich für die schlechte Mikroqualität die meine Stimme sehr verzerrt darstellt. Der Tontechniker dürfte definitiv etwas gegen mich gehabt haben.

Dr. med.-univ. Rose Kerschbaumer und ich wurden am neunten März 1995 in die Sendung Schiejok Täglich [ORF2] zum Thema »Gegensätze ziehen sich an« eingeladen, und wurden zu unserer seelischen Verwandtschaft und Freundschaft interviewt. Rosalie mit ihren jungen 35 Jahren, wirkte gar frischer als ich mit meinen geschminkten 25 Jahren. Dies lies sich einerseits auf ihren äußerst präzisen und nachhaltigen, als auch vielschichtigen Lebenswandel zurückzuführen.

Diese echte Wiener Dame hatte nicht nur Biedermeier [eine apolitische Übergangsphase zwischen der Romantik und dem Realismus] im Blut, sondern dazu auch noch den ganz banalen vernetzwerkenden Kontext, den heute alle ja nur mehr zitieren, anstatt ihn zu leben. Wir hatten viel Freude zusammen und ich erinnere mich noch gerne an unsere Verhandlungen in der Garderobe vor der Sendung. Humor war eines ihrer tragendsten Vermittlungsmodelle.

Rosalie und ich sind heute, und wohl auch über ihren Tod hinaus, noch dicke Freunde, obwohl wir uns dazwischen viele Jahre nicht gesehen haben. Wir pflegten nach wie vor regen Austausch miteinander. Persönlich habe ich immer schon von gediehenen Menschen mehr lernen können, als von meinen gleichaltrigen Mitmenschen, da ich stetig das Gefühl hatte, deren Information sei nicht ergründet genug; als vielmehr einfach nur irgendwoher vorhanden. Den materiellen Bezug zu Rosalie [den man mir immer wieder unterstellt hat] erkläre ich hiermit als nichtig, denn wir pflegten lieber präzise zwischenmenschliche Wertschöpfung, als jene banale Definition über wertige Stücke bzw. Vergleichsmodelle für die Umwelt.

Der Altersunterschied gab weder ihr noch mir zu denken und wir ergründeten jenen auch sehr selten, da wir es für vollkommen belanglos hielten. Ich bin Rosalie sehr dankbar, echte Wiener Kultur im [für mich] wahrsten Sinne erspürt und erlernt zu haben, da ich mit den 1995 in Wien verfügbaren stati mentii nicht wirklich arbeiten konnte.

Den Zugang zur humanistischen und vor allem österreichischen Kultur, und deren Pflege, verdanke ich dieser überaus reizenden und liebevollen Dame, die tatsächlich nicht nur Rosalie genannt werden darf, sondern auch noch jene Rosenzüchtungen in ihrem Garten pflegt und hegt. Auch ihre Teemischungen fand ich mehr als schmeichelhaft, obgleich ich mich hie und da im Auto mit ihr erschrak, da ihre Pekoe-Mischungen über das Gaspedal manchmal mit ihr davondüsten. Rosalie fuhr aber so feinsinnig, als würde man bei ihr im Salon Nüsse knacken können.

I’ll miss you, Rosalie!
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© Dieter Telfser 2005 für Dr. med.-univ. Rose Kerschbaumer

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